Schultagesbetreuung überfordert Gemeinden

25. Oktober 2006, 14:00
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Drei Viertel der Bezirkshauptstädte können laut Studie der Arbeiterkammer den Ausbau "unmöglich zahlen"

Wien - Die Antworten sind paradox: Laut einer aktuellen Umfrage der Arbeiterkammer (AK) halten drei Viertel (74,3 Prozent) der Bürgermeister der Bezirksstädte Österreichs den von der Regierung geplanten Ausbau der schulischen Tagesbetreuung in Volksschulen für sinnvoll. Zugleich sehen sich aber dieselben Ortschefs, konkret 70 Prozent, absolut außerstande, diese Erweiterung zu finanzieren.

Sie könnten die durchschnittlich 166.000 Euro Umbaukosten pro Schule plus jährlich 57.500 Euro zusätzliche Personalkosten für Betreuung, Küche und Reinigung aus dem Gemeindebudget "unmöglich zahlen". Nicht einmal ein Fünftel (18 Prozent) könnte "einen kleinen Teil zahlen", weniger als ein Zehntel wäre in der Lage, "großteils zu zahlen", und nur ein Prozent der Bezirkshauptstädte würden "komplett zahlen" können.

AK-Präsident Herbert Tumpel fordert daher angesichts des absehbaren Scheiterns des geplanten Betreuungsausbaus aufgrund der Finanznöte schon in den Bezirksstädten von der Regierung eine "Sonderfinanzierung für ganztägige Schulen" für alle Schulgemeinden. Mittelfristig plädiert die AK flächendeckend für "echte" Ganztagsschulen. Zudem will der AK-Chef ein gesetzliches "Recht der Eltern auf ganztägige Betreuung für ihre Kinder" - etwa durch die Aufhebung der Sprengelgrenzen für den Besuch von Ganztagsschulen.

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser wiederum hält das Ausmaß der von der Regierung geplanten sprachlichen Frühförderung nicht für ausreichend. "Gut gemeint ist noch nicht gut genug." Dass die 80 Euro pro Kind als Anreiz des Bundes wirklich ausreichen, um die sprachliche Frühförderung in Gang zu bringen, sei zu bezweifeln.

Verhaltenskreativität

Neue Wege will auch VP-Bildungssprecher Werner Amon gehen. Lehrerinnen und Lehrer sollten gesetzlich "neue Erziehungsmittel" in die Hand bekommen, um mit so genannten "verhaltenskreativen" und immer aggressiveren Kindern, so Amon, besser umgehen zu können. Konkret sollen in der Schulordnung Rechte und Pflichten der Schüler, aber auch etwaige Sanktionen bei einem Verstoß festgehalten werden. Die Schülervertreter müssten aber zustimmen. (nim/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. Juni 2005)

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    foto: standard/hendrich
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