Bundesanleihen schlagen Welt-Aktienindex

4. Juli 2005, 11:22
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Anleihen und Anleihefonds gelten wegen der relativ geringen, aber sicheren Erträge als die grauen Mäuse im Anlagegeschäft - manchmal zu Unrecht - Mit Infografik

Wien - Der Bloomberg-Index aller österreichischen Bundesanleihen erzielte seit Juni 2004 ein beachtliches Plus von 10,44 Prozent. Sogar Weltaktien (gemessen am MSCI World Index) konnten da mit einem Plus von 10,07 Prozent (allerdings auf Dollarbasis) nicht ganz mithalten.

Mit dieser Entwicklung hatten aber nur die wenigsten Fondsmanager gerechnet. Entgegen den vorsichtigen Prognosen der meisten Anleihenexperten vor einem Jahr legten vermeintlich "langweilige" Bundesanleihen in den letzten zwölf Monaten stark zu. Viele Fondsmanager sahen diese Entwicklungen jedoch nicht voraus und wurden auf dem falschen Fuß erwischt, berichtet der Fondsspezialist e-fundresearch: So schlugen nur 15 Prozent der mehr als 200 in Österreich zugelassenen Euro-Anleihenfonds in diesem Zeitraum den Vergleichsindex. Gehen die goldenen Zeiten heuer im zweiten Halbjahr weiter?

Real-Rendite für zehnjährige Anleihen auf Allzeit-Tief

Die drei anhand der Sharpe Ratio besten Euro-Anleihenfonds (siehe Grafik) werden von Fondsmanager Michel Manigand verwaltet. Er reduziert aktuell die Duration (ausstehende Laufzeit) in seinen Portfolios. "Bei einer überraschenden Euroschwäche unter 1,20 zum US-Dollar müssten die Inflationserwartungen angehoben werden, was aufgrund des EZB-Inflationsziels von zwei Prozent zu einer leichten Anhebung der Geldmarktzinsen auf 2,5 Prozent führen könnte", so der Experte Anfang Juni. Mittlerweile "kratzt" der Euro bereits an der angesprochenen Marke. Auch am längeren Zinsende sieht er wenig Positives: "Die Gefahr eines deutlichen Einbruchs am Anleihemarkt ist durch den jüngsten massiven Renditerückgang erheblich gestiegen. Die Realrendite für zehnjährige Anleihen in Österreich betrug in den letzten 20 Jahren knapp über drei Prozent und ist aktuell bei 1,2 Prozent auf einem Allzeit-Tief angelangt."

Zusätzlich müsste die sukzessive Bonitätsverschlechterung einiger wichtiger Eurostaaten zu einem Realrenditeanstieg führen", beschreibt Manigand. "Wir sehen daher eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass europäische Rentenfonds in den nächsten zwei Jahren mit einer negativen Performance rechnen können", so der Tiroler weiter. Auf Sicht der nächsten fünf Jahre rechnet er übrigens nur mit einer jährlichen Durchschnittsperformance für europäische Rentenfonds in einer Bandbreite zwischen einem bis 2,5 Prozent.

Keine konjunkturelle Verbesserung erwartet

Die konservativste Strategie aller untersuchten Manager verfolgt Peter Olsacher, Fondsadvisor des Hypo-Rent. Obwohl der Fonds in den letzten drei Jahren mit einem Ertrag von 5,1 Prozent p. a. deutlich hinter den Benchmarks zurückliegt, verhalf ihm sein vorsichtiger Ansatz dennoch zu einer Top-Platzierung anhand der Sharpe Ratio (Risikogewichtung). Auch Olsacher rechnet nicht mit einer baldigen konjunkturellen Verbesserung: "Angesichts dieser Rahmenbedingungen erscheint eine Leitzinssatzerhöhung durch die EZB zumindest im heurigen Jahr eher unwahrscheinlich." Zu den Performanceaussichten äußert er sich positiver: "Tatsache ist, dass sich der Renditeabwärtstrend in der Intensität trotz des nach wie vor positiven Rentenumfeldes nicht ewig fortschreiben lassen wird, wodurch auf Zwölf-Monats-Sicht zwei bis fünf Prozent pro Jahr zu erwarten sind."

Ähnlich sieht die Lage Friedrich Hofer, der den AustroRent verwaltet: "Der von vielen - auch von uns - erwartete Zinsanstieg ist nicht eingetreten, sondern es sind im Gegenteil die Kapitalmarkt-Zinsen auf historische Tiefstände gefallen. Daher haben aggressiv positionierte Anleihefonds in den letzten Monaten die höchsten Erträge gebracht". (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2005)

  • Infografik: Überraschend starke Bundesanleihen
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