Lauda warnt vor Abstieg des Wiener Flughafens

12. Juli 2005, 15:22
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Der Airline-Chef sieht sich im STANDARD-Gespräch als "Anhäng­sel von Air Berlin" und fordert die Politik auf, zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit Wiens zu bewahren

STANDARD Experten gehen davon aus, dass im kommenden Winter wegen massiver Überkapazitäten die Flugpreise so billig wie noch nie sein werden. Kommt es zum Shake-Out unter Billigfluglinien?

Lauda: Eine Bereinigung ist immer dort, wo es ein falsches Konzept gibt. Niki fliegt im Verbund mit Air Berlin von fünf plus 55 Flugzeugen. Wir erwarten im Juni eine Auslastung von 83 Prozent, ein plus von acht Prozent gegenüber 2004. Bis Oktober ist eine Auslastung von 71 Prozent prognostiziert. Wir überlegen nun ein sechstes Flugzeug statt 2007 vielleicht schon nächstes Jahr zu übernehmen.

STANDARD Gut, aber warum soll Niki in Anbetracht hoher Treibstoffpreise ein besseres Geschäft machen als andere? Sie benötigen 80 Prozent Auslastung, um den Breakeven zu erreichen.

Lauda: Natürlich hängt einiges vom Spritpreis ab, ob wir positiv bilanzieren werden - das gilt für die Mitbewerber genauso. Wir haben auf unserer Website täglich 3000 Buchungseingänge. Ich bin zuversichtlich, in diesem Jahr eine Million Passagiere zu erreichen. Die schlanke Struktur von Niki hilft. Im Büro arbeiten lediglich 15 Leute, wir haben 109 Flugbegleiter, 53 Piloten, einige Techniker. Unser Vertrieb ist an Air Berlin gekoppelt, also keinerlei Investitionen dieser Art. Durch diese Kostenstruktur kann ich mich mit jeder Billigairline matchen. Eigentlich bin ich nur ein Anhängsel von Air Berlin, die über einen gehörigen Passagierstamm verfügt.

STANDARD Eine Verteuerung der Flugtickets wegen des teuren Treibstoffs . . .?

Lauda: . . . schließe ich derzeit aus. Wir könnten relativ einfach beim Einzelplatzverkauf ein oder zwei Euro drauflegen. Aber bei Kooperationen mit Reiseveranstaltern ist das wegen der länger laufenden Verträge nicht möglich.

STANDARD Viele Airlines beschweren sich, dass der Flughafen Wien zu teuer sei.

Lauda: Wir müssen hier eines klarstellen: Der Flughafen Wien ist an und für sich nicht zu teuer. Die auf acht Euro angehobene Sicherheitsgebühr (vom Finanzministerium, Anm.) pro Passagier und eine künftige Umweltabgabe von einem Euro sind das Problem. Wenn ich meine fünf Flugzeuge nach Bratislava stelle, dann sparen wir uns pro Jahr elf Millionen Euro. Mit unseren City-Shuttle-Flügen allein, also unsere Flüge nach Paris, London etc., wären es noch immer fünf Millionen Euro. Nun ist die Politik gefordert zu handeln. Irgendwann muss sich was ändern, sonst verliert der Flughafen seine strategische Bedeutung. Davon wird es auch abhängen, wo wir neben Wien und Salzburg unsere dritte Basis errichten.

STANDARD Die Billigfluglinien Skyeurope, Ryanair und Easyjet sind schon in Bratislava. Würde dieser Standort überhaupt Sinn für Niki machen?

Lauda: Also wir schauen uns das mit Air Berlin gemeinsam an. Für fünf Millionen Euro Ersparnis kann man viele Shuttle-Busse zwischen Wien und Bratislava hin- und herfahren lassen. Ich hoffe nach wie vor, dass der Flughafen Wien seine Position innerhalb einer erweiterten Union halten kann. Das ist ein Schuss ins Knie, wenn es zu keiner Lösung kommt, um mit dem benachbarten Ausland wettbewerbsfähig zu bleiben.

STANDARD Was sagen Sie zum neuen Werbeauftritt der Lauda Air "Republic of Lauda"? (Sujets wie schöne Menschen in Badeanzügen in einer Zahnarztpraxis)

Lauda: Ich kann mich davon nur distanzieren. Diese Werbung ist einer Lauda Air nicht würdig.

STANDARD Neue Destinationen geplant?

Lauda: Wir werden auch im Winter sechsmal die Woche von Salzburg in das Drehkreuz der Air Berlin nach Palma fliegen. Wir beobachten verschiedene Ziele in Osteuropa.

STANDARD Ex-Finanzminister Andreas Staribacher fliegt bei Ihnen als Pilot. Macht er das als Freiberufler?

Lauda: Wir haben gemeinsam das Typrating (Typenprüfung für ein Flugzeug, Anm.) bei Finnair in Helsinki gemacht. Das Typrating wurde von Niki bezahlt. Andreas Staribacher ist bei mir genauso wie die anderen Piloten unter Vertrag und hat bereits mehr als 1000 Stunden für Niki geflogen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.6.2005)

Zur Person

Andreas Nikolaus Lauda (56) gründete nach der Lauda Air I, Lauda Air II (heute in die AUA eingebunden), Lauda Air Italy, mit Niki seine vierte Fluglinie.
Der Kooperations-Schachzug Laudas mit Air Berlin im Jänner 2004 sichert dem Unternehmen den Zugang zu einer Airline mit 13 Mio. Passagieren. Air Berlin hält 24 Prozent an Niki. Niki beförderte vergangenes Jahr 940.000 Passagiere, erzielte einen Umsatz von mehr als 70 Mio. Euro, wobei die Airline aufgrund der Treibstoffkosten einen leichten Verlust hinnehmen musste. 2005 ist ein Umsatz von 110 Mio. Euro geplant.
Der dreifache Formel-1-Weltmeister Lauda ist darüber auch im Mietwagengeschäft ("LaudaMotion") tätig und kommentiert weiterhin Rennsportevents im TV - zuletzt mit einem Hang zum Kabarettistischen: Beim F1-Skandalrennen von Indianapolis unterhielt er das von nur sechs Teilnehmerautos gelangweilte ORF-Publikum hauptsächlich damit, dass er Moderatorenlegende Heinz Prüller auf der Schaufel hatte: "Heinz, gib's zu! Ich hab's genau gehört, du hast gegähnt!" (red)

Das Gespräch führte Kurt Hofmann.
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    foto: standard/newald
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