Da ich viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, kenne ich mittlerweile so viele Leute, dass ich das Gefühl habe, Teil einer riesigen, völlig durchgeknallten Familie zu sein. Ich weiß zum Beispiel, wo sich in Schurlis Kühlschrank das Gulasch befindet, ich weiß, welche Farbe das Kondom hatte, das Gabis Exfreund benutzte, als er mit Birgit vögelte, und ich weiß auch, dass der Typ, der eine Ausbildung zum Piloten macht, ein Arsch ist, weil er ständig für irgendwelche Prüfungen lernen muss, anstatt mit Iris auszugehen.
Geschichten, die täglich erzählt werden
Das ist nur ein winziger Bruchteil der Geschichten, die mir täglich erzählt werden. Egal, ob ich sie wissen will oder nicht. Die Leute erzählen und erzählen, und wenn sie nichts mehr zu erzählen haben, werden sie nervös, fummeln an ihren Handys herum, bis sie jemanden gefunden haben, dem sie wieder etwas erzählen können. Und ich bin immer dabei. Tagtäglich. Bis ich sterbe. Außer es werden alle Handymasten in die Luft gesprengt, oder es wird eine Steuer auf Handymasten eingeführt. Und dieser Tag könnte bald kommen - oder auch nicht.
Als hätte man gerade ihr letztes Handy gestohlen
An dem Tag jedenfalls, an dem die niederösterreichische Landesregierung die Handymastensteuer beschloss, habe ich mir die "Zeit im Bild" ohne Ton angesehen, weil ich gerade von meinem Festnetz aus telefonierte. Dabei ließ der Gesichtsausdruck einzelner Politiker zunächst befürchten, dass eine gröbere Katastrophe passiert wäre. Der Vizekanzler verdrehte die Augen, als hätte ihm sein Spezi aus Kärnten soeben mitgeteilt, dass es ab morgen eine neue Parteifarbe gäbe; auf der Stirn des Chefs der Industriellenvereinigung bildeten sich staatsmännische Falten, die an den Grand Canyon erinnerten, und ein paar Herren in fast identen Businessanzügen schnitten Grimassen, als hätte man ihnen gerade ihr letztes Handy gestohlen.
Steuer
Als ich wieder den Ton einschaltete, klärte sich alles auf: Diese Leute regten sich nicht über ein menschenunwürdiges Asylgesetz in Österreich auf, sie empörten sich nicht darüber, dass in diesem Land immer mehr Leute verarmen, sie waren nicht entsetzt über Politiker, die den Holocaust anzweifeln, nein, sie tobten, weil die niederösterreichische Landesregierung eine Steuer auf Handymasten einheben möchte.
In Österreich gibt es 18.000 Handymasten, die nicht nur die Gegend verschandeln, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch gesundheitsschädigend sind. Kann mir bitte jemand erklären, was dagegen spricht, diese Masten massiv zu besteuern? (Allerdings gebe ich gerne zu: Mit diesem Argument könnte man auch eine Hansi-Hinterseer-Steuer einführen - dazu ein andermal.)
Populismus
Aber diese Debatte zeigt wieder einmal auf eindrucksvolle Weise, wie tief das politische Niveau in diesem Land bereits gesunken ist. Weil sie wissen, dass ihr Populismus in diesem Fall auf fruchtbaren Boden fällt, ziehen bestimmte Politiker sämtliche Register ihres zweifelhaften Könnens und faseln etwas von "gefährdeter Grundversorgung", "eingeschränkter Mobilität" und "Angriff auf die Informationsgesellschaft".
"Geldbeschaffungsaktion"
Sehr oft hört man auch das Wort "Geldbeschaffungsaktion", die es strikte abzulehnen gelte. Wo waren diese Herren in den letzten fünf Jahren, als Dutzende Gesetze beschlossen wurden, die tatsächlich brutale Geldbeschaffungsaktionen waren und die an die Substanz Hunderttausender Österreicherinnen und Österreicher gingen? Wo waren sie, als die Studiengebühren eingeführt wurden? Wo waren sie, als die Pensionen gekürzt wurden?
Richtig, sie gehörten zu denjenigen, die diese Gesetze mitbeschlossen hatten. Und jetzt regen sie sich über ein Gesetz auf, das den multimillionenschweren Handybetreiberfirmen ein paar Millionen Euro pro Jahr kostet! Na und?
Lehrstück
Für alle, die wissen möchten, wie der Kapitalismus unserer Tage funktioniert, der soll sich dieses Spektakel genauer ansehen, das ein Lehrstück für die Mechanismen des Zusammenspiels zwischen Staat und Großkapital ist. Leider ist dieses Stück aber nicht lustig, weil darin ausschließlich Schmierenkomödianten mitspielen.
Und wie es ausgeht, wissen wir auch schon. Am Schluss werden die Zuschauer zur Kasse gebeten.(Der Standard Printausgabe, 25./26. Juni 2005, Kurt Palm)
Kurt Palm lebt als handyloser Autor und Regisseur in Wien. Zuletzt kam sein Film "Der Wadenmesser oder "Das wilde Leben des Wolfgang Mozart" in die heimischen Kinos.
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derStandard.at/SMS: Nachrichten in Echtzeit auf Ihr Handy!
Schweigegebot im öffentlichen Raum. Kommunikation nur durch Blicke, Handzeichen, wenn es denn sein muß schriftlich. Das Erheben der Stimme ist nur dazu befugten Organen und bei Gefahr im Verzug gestattet.
Wichtig: Der Gebrauch der Gebärdensprache ist nur Taubstummen gestattet.
Die jeweiligen Betreiber sollten pro Handymast bei der jeweiligen Gemeinde Gebühren einfordern. Werden die Gebühren nicht beglichen, werden die Sendeanlagen abgebaut.
Ich denke Land NÖ will mehr Geld und sonst nichts.
Direkt die Bürger zu besteuern wäre nicht gesund für die Politiker.
Was bleiben wird: Die Handymasten, im gleichen Ausmaß, da eine zusammenlegung nicht immer möglich ist und die Betreiber verpflichtet sind Österreich flächendeckend zu versorgen.
Eine Reduktion der Masten in kleineren Gebieten könnte sich außerdem fatal auswirken. Es könnten keine Notrufe abgesetzt werden. Fetznetztelefone gibt es ja heute kaum mehr in Privathaushalten(außer Altbestände).
= Geldmacherei auf Kosten der Bürger, Verarschung der Unternehmer
Das schau ich mir an,
wenn sich die Handynetzbetreiber einig wären,
im Lande Niederösterreich die Handynetze
einfach mal nen Tag lang, oder ne Woche lang
ABZUDREHEN.
Beschwerden bitte an die Landesregierung.
Wofür haben die Netzbetreiber bitte MILLIARDEN an Lizenzgebühren an Österreich gezahlt ?
Dafür, daß sie sich jetzt von den Landeskammern aussackeln lassen ?
Einfach das ganze blöde Land abdrehen !
Und dem Autor sei gesagt:
Das Zuhören bei Gesprächen anderer Leute
ist eine Erziehungssache.
Ich für meinen Teil fahre auch täglich Öffis, und ich weiß all die oben beschriebenen Dinge NICHT.
Weil man bei Gesprächen anderer nicht zuhört.
Privatsphäre.
Ob sie nun nebeneinander stehen, oder via handy miteinander reden.
Es geht dabei ja nicht um Geflüstere, das man belauscht, sondern um laute Unterhaltungen, bei denen man einen der Gesprächspartner nicht hört.
Und ich denke, letzteres ist auch der Grund dafür, warum diese Handyfonate so lästig sind: Wenn man nur einen Teil der Unterhaltung hört, fühlt man sich einfach angesprochen, das Unterbewußtsein suggeriert einem, dass man selbst der angesprochene Partner ist.
Deshalb nervt ein Telefonat neben einem wesentlich stärker als eine normale Unterhaltung der gleichen Lautstärke.
Dazu kommt noch, dass viele Menschen beim Telefonieren automatisch die Lautstärke erhöhen. Und dann noch die Wiederholungen und das permanente "hörst du mich?".
Beneidenswert, wenn Sie das nicht hören.
einer der das ganze Theater zurechtrückt. Selbst mir als Handi-Nutzer ist der Masten-Wildwuchs zuviel. Umso besser wenn eine Steuer die Betreiber dazubringt die Masten gemeinsam zu nutzen. Wenn dann das Telefonieren zwei, drei Cent mehr kostet. vielleicht ein Beitrag dazu, daß am Handi weniger sinnlos getratscht wird. Ein zwei Euro im Monat ist mir der Beitrag gegen die akustische Umweltbelästigung allemal wert.
Wie sehr Öko muss man sein um heutzutage noch kein Handy zu haben ? Das Teil is einfach praktisch. Ich hab genau eine Telnummer und wenn mich privat jemand braucht kann er mich da anrufen, aus.
Die Telefonierpsychos sind eine andere Geschichte. Man ruft sich an, weil einem sonst fad ist. Nicht ärgern, sondern handeln. Wieso motzt er uns hier an ? Herr Kurt soll sich einen MP3-Player kaufen (sofern er nicht zu Öko dafür is *g*)
Handymastensteuer is ne lustige Sache. Zuerst lassen sie mal bauen und 6 Jahre später kommens drauf, dass sie die Handymasten (ich find die ziemlich unsichtbar) besteuern müssen. Wir wissen alle auf wen solche Firmensteuern oder "Instandhaltungskosten" im Endeffekt wieder zurückfallen :o)
Immer nur alles schön simplifizieren. Wenn jemand gegen etwas ist, was ich gut finde, denk ich mir ein Wort für ihn aus und platziere dieses Wort gekonnt zwischen meinem Ohr und Gehirn, sodass seine Worte nicht bis zu letzterem vordringen können.
Kleiner Tipp: Es soll Menschen geben, in deren Kopf auch ohne Input von außen etwas Anderes vor sich geht als innere Leere und leider gibt es noch immer keinen Mp3-player, der es einem ermöglicht, nur Stille zu hören ...
Wie intolerant muss man sein um jeden den neuesten Trend aufzuzwingen?
Wenn sie es als praktisch empfinden überall tel. Erreichbar zu sein meinetwegen. Nur sollten sie m.E. ihre Bedürfnisse nicht auf alle anwenden.
Und bitte wie funktioniert es den sonst? Zuerst die Steuer dann das Produkt? Wahr zuerst die Kfz Steuer und dann hat man das Auto erfunden?
zu den vernunftstel., aber wir sind, wenn sie mit den
öffis und auf stark frequ. strassen unterwegs sind,
die ausnahmen. mich kotzt diese unnötige gequassle
extrem an.
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zu "gefährdeter Grundversorgung", die haben leider
viele menschen im kopf und sonst nirgendwo....
mfg c.c.
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