In offizieller Mission bauchfrei wäre ein Fauxpas

2. Juli 2005, 18:35
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Irmie Schüch-Schamburek, Stilberaterin und Trendscout, über Dresscodes, verpönte Minis und akzeptierte Schmuddelanzüge

Irmie Schüch-Schamburek, Stilberaterin und Trendscout, über Dresscodes, verpönte Minis, akzeptierte Schmuddelanzüge und öffentliche Hochzeitstücken. Mit ihr sprach Lisa Nimmervoll.

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STANDARD: Waren Sie überrascht von den Reaktionen auf Glawischnigs Bauchfrei-Kleid?

Schüch-Schamburek: Nein, die Kleidung von Politikern ist immer ein begehrtes Thema, egal, ob das das neue Gusenbauer-Styling ist, das Opernballkleid der Frau des Bundeskanzlers oder die orange Krawatte von Jörg Haider. Als in der Öffentlichkeit stehende Person muss man immer damit rechnen, mit dem Styling Aufsehen zu erregen.

STANDARD: Darf eine Politikerin bauchfrei und mit Fotografen heiraten und sich dann beschweren, wenn sich Leute über das Outfit mokieren?

Schüch-Schamburek: Anscheinend haben die Politiker seit einiger Zeit die persönliche Eigen-PR als Massenkontaktmöglichkeit entdeckt. Frau Glawischnig kann in jeder Art von Kleid und überall heiraten, wie sie will, das geht eigentlich niemanden etwas an. Wenn sie aber den Medien die Möglichkeit gibt, ihre privaten Situationen mitzuerleben, dann muss sie sich auch der Folgen bewusst sein.

STANDARD: Werden Frauen noch immer strenger beurteilt?

Schüch-Schamburek: Ein Grundzug unserer momentanen Gesellschaft ist es, Frauen mehr nach dem Äußeren zu beurteilen als Männer. Einen schlecht sitzenden Anzug wird man einem Politiker eher verzeihen, als einen billigen Stoff bei einer Politikerin, weil Frauen und Styling enger miteinander verknüpft werden.

STANDARD: Gelten für Politikerinnen strengere Dresscodes?

Schüch-Schamburek: Ja und nein. In der Politik zählt, welche Zielgruppe ich positiv ansprechen möchte. Da gibt es unterschiedliche Spielräume.

STANDARD: Was ist für Politikerinnen absolut verpönt?

Schüch-Schamburek: Etwas Untragbares in der Politik ist ein zu kurzer Mini. Es spricht nichts gegen eine gemäßigte Linie, eine Handbreite über dem Knie, sofern es zu Stil und Körperbau der Trägerin passt. Aber raufzurutschen wäre ein absoluter Fauxpas.

STANDARD: Bauchfrei?

Schüch-Schamburek: Bauchfrei wäre ein Fauxpas. Ich wüsste keinen offiziellen Anlass, außer vielleicht die Eröffnung eines Schwimmbads. Das Gleiche gilt für die Betonung des Dekolletees.

STANDARD: Ohne BH?

Schüch-Schamburek: Egal, was man trägt - ohne BH ist in der Politik nicht ratsam. Außer man hat was drüber an. Sobald man sieht, dass drunter nichts ist, ist es peinlich. Das Drunter darf nicht sichtbar sein.

STANDARD: Jeans?

Schüch-Schamburek: Dem Anlass entsprechend ja, im Parlament nein. Das wäre ein absoluter Fauxpas. Wenn aber eine Kommunalpolitikerin bei der Eröffnung eines Reitstalls ein Band durchschneidet, spricht nichts gegen Jeans.

STANDARD: Zehenfreie Schuhe?

Schüch-Schamburek: Auch wieder anlassbedingt. In der hohen Politik, bei Empfängen und Anlässen sicher nicht. (DER STANDARD Printausgabe 25/26.6.2005)

Zur Person

Irmie Schüch-Schamburek (40) gründete 2001 die Agentur "Trendvision". Das Ex-Model hat zwei Kinder.

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    Eva Glawischnigs Hochzeitskleid wurde zum Thema, über Volker Pieczeks Kleiderwahl sprach niemand

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