Verhaltener Imagegewinn

3. Juli 2005, 18:40
2 Postings

Außenministerin Condoleezza Rice ist die neue Wunderwaffe von US- Präsident George W. Bush - Ein Kommentar von Susi Schneider

Anstelle von Massenvernichtungswaffen im Irak hat US- Präsident George W. Bush in seinem eigenen Umkreis eine neue Wunderwaffe gefunden: Außenministerin Condoleezza Rice. Es sind ihre vielen Reisen seit ihrem Amtsantritt, die das Image der Vereinigten Staaten in Europa, im Nahen Osten und Teilen von Asien leicht angehoben haben. Kein Wunder: Jeden Tag flimmern neue Bilder der feschen Condi über die Bildschirme der Welt. Und es scheint nicht zum Schaden der USA, wenn sie die Politik ihres Chefs intelligent, konzis und mit sanfter Stimme beschreibt - sogar erbitterte Bush-Gegner können nicht umhin, ihr verhaltenes Lob zu zollen.

Aber auch diese massive Charmeoffensive, die Bush selbst kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit eingeleitet hat, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das leicht gebesserte Image der USA insbesondere in Europa immer noch sogar hinter dem von China nachhinkt. Und ob es wirklich nur die persönliche Ausstrahlung von Condi Rice war, die die Europäer dazu brachte, den USA eine Spur positiver gegenüber zu stehen, bleibt dahingestellt. Es mag auch eine Rolle gespielt haben, dass Europa und der Rest der Welt einen mehr als einjährigen Präsidentschaftswahlkampf miterlebt haben, in dem sich zeigte, dass nicht alle Amerikaner die Außenpolitik ihres aus der Hüfte schießenden Präsidenten unterstützen. Dazu kommt, dass in letzter Zeit auch prominente Republikaner auftreten, die eine "exit strategy" oder wenigstens einen Plan, wie man die nächsten Monate und Jahre im Irak bewältigen könnte, fordern.

Aber einen wirklichen Grund zur Hoffnung, die Amerikaner könnten ihr Imagedefizit aufholen, gibt es einstweilen nicht. Dazu sind die Nachrichten aus dem Irak noch immer zu bedrückend. Und sollte es Bush tatsächlich gelingen, den kontroversiellen John Bolton durch eine Hintertür als UNO-Botschafter zu bestellen, könnte der Antiamerikanismus erneut gedeihen. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2005)

Share if you care.