Basteln am ORF-Programm

19. Juli 2005, 16:22
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Sponsorensuche für Frühstücks-TV, Kosten des "Musikantenstadel", Hoffnung auf junge Frauen ab 2006 - Die Quoten sinken weiter

Basteln am ORF-Programm Sponsorensuche für Frühstücksfernsehen, die üppigen Kosten des "Musikantenstadel" und die Hoffnung auf junge Frauen ab 2006: eine Doppelconférence der ORF-Direktoren. Die Quoten sinken inzwischen weiter.

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Nicht tatenlos mag der ORF zuschauen, wie Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und Puls ab Herbst versuchen, Österreich für Frühstücksfernsehen zu gewinnen. Aber, so schränkt Infodirektor Gerhard Draxler gleich ein: "Die Finanzierbarkeit ist nicht gegeben."

Jedenfalls nicht aus dem laufenden ORF-Budget: Die beiden Fernsehdirektionen müssen wie berichtet 18,4 Millionen sparen. Das sind gut zehn Prozent ihres Budgets, sagen Draxler und sein Programmpendant Reinhard Scolik. ORF On wird noch härter rangenommen: Nach Angaben aus der ohnehin deutlich schlankeren Onlinetochter muss sie ein Viertel ihres Budgets kappen (Bericht unten).

Frühstücksfernsehen ergäbe Sinn

Die ORF-Marktforschung sagt: Von 7.30 bis 8.30 Uhr ergäbe Frühstücks-TV Sinn. Draxler spricht von einem "Grafikkonzept", das über die Verkehrslage österreichweit informiert. Von der Zusammenarbeit mit Ö3. Und von Sponsoren. Da zieht das ORF-Gesetz freilich enge Grenzen.

Am Geld scheitern weiterhin auch Bundesligaspiele im ORF. Premiere verlange für ein Livespiel am Sonntag und eine Fußballshow am Samstag zwischen 6,5 und 8,5 Millionen pro Saison. Etwa soviel zahlte der ORF bis 2004 für die gesamten Ligarechte. Dabei hat die Infodirektion zwei Millionen weniger für Sport, zwei weniger für Infosendungen und 400.000 für Wissenschaft.

Bundesliga: "Gespräche auf höchster Ebene"

Draxler erwähnt in Sachen Bundesliga "Gespräche auf höchster Ebene", Monika Lindner wollte zuletzt im STANDARD-Interview nicht einmal von "Kontakten" reden.

Wen es auch trösten mag: Heinz Prüller hat seinen ORF-Vertrag verlängert. Über die Dauer schweigt Draxler.

Den Großteil der 18,5 Millionen - geschätzte 65 Prozent - muss Programmdirektor Scolik ab 2006 kürzen. Das Ende des "Musikantenstadel" mit Karl Moik kommt gelegen: 600.000 bis 750.000 kostet eines dieser Spektakel laut Scolik. Kleiner und günstiger soll das Nachfolgeprojekt ausfallen.

Starmania "überarbeitet"

Scolik präzisiert auch Lindners Bestätigung für "Starmania III": Zwischen März und Mai dürfte es eine "überarbeitete" Form mit weniger Vorrunden geben. RTL castet schon diesen Herbst.

Auf junge Frauen hofft der ORF (mit dem ZDF) mit der Vorabendtelenovela "Tessa". Sie kommt ab Jänner 2006 um 18.15 in ORF 1.

Nicht auf den Punkt entwickelte der ORF seine "Scripted Reality" (echte Menschen, aber mit vorgegebenem Handlungsstrang): Die Pilotsendung passt nicht wie geplant ins junge ORF 1, sondern in ORF 2. Umsetzung: offen.

Neues Datingformat

Für Freitag um 21.15 Uhr arbeitet der ORF an einem neuen Datingformat neben "Herzblatt".

Warum der ORF allerorten bastelt, erklärt ein Blick auf seine Marktanteile im ersten Halbjahr 2005: Beide Fernsehprogramme setzen ihren Sinkflug der vergangenen Jahre fort. Die Daten beziehen sich auf alle Fernsehhaushalte und nicht die 86 Prozent Kabel- und Sathaushalte, die der ORF ausweist. Dort schafften die beiden Kanäle im Mai nur noch 41,5 Prozent. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 25./26.6.2005)

  • ORF-Marktanteil erstes Halbjahr 2005

    ORF-Marktanteil erstes Halbjahr 2005

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