Orange Irrfahrt

3. Juli 2005, 18:40
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Inhaltlich ist das neue orange Parteiprogramm mehr als dünn - Ein Kommentar von Eva Linsinger

Mit Fotos: 14 Seiten. Ohne Fotos: sieben Seiten. Dicker ist das neue orange Parteiprogramm nicht geworden. Auch inhaltlich ist es mehr als dünn - und vor allem ein Aufguss alter FPÖ-Hits. Nur auf ein paar besonders schrullige Einsprengsel aus dem alten FPÖ-Paket hat man verzichtet. Der Verweis auf das "wehrhafte Christentum" etwa, mit dem sich Ewald Stadler seinerzeit im blauen Programm verewigte, hat wie Stadler selbst den Weg ins BZÖ nicht mehr mitgemacht. Ansonst aber finden sich viele der alten blauen Dauerbrenner fast unverändert im neuen orangen Forderungskatalog wieder: von der Flat Tax bis zur strengen Asylpolitik.

Die Präsentation des Programms am Freitag hätte wohl den Fehlstart des BZÖ überdecken sollen. Der Versuch ist gründlich misslungen: Dazu hätte es durchdachtere und konkretere Inhalte gebraucht - und nicht die Ansammlung blauer Altwünsche und netter Platitüden. Denn gegen "Arbeit für alle", wie es das BZÖ fordert, wird zwar niemand etwas haben - ohne konkrete Maßnahmen bleibt dieser Programmpunkt aber eine Allerweltsforderung, etwa auf dem Niveau des Wunsches nach schönem Wetter. Ähnliches gilt für den Kampf gegen die Globalisierung, den sich der einstige blaue Robin Hood Jörg Haider zum neuen orangen Ziel gesetzt hat: auch ganz lieb - aber wie kämpfen? Und gegen wen eigentlich genau?

Dass mit derartiger Inhaltsschwäche kaum Wahlen zu gewinnen sind, scheint dem BZÖ mittlerweile selbst zu dämmern. Nicht umsonst zweifelt es daran, ob eine Kandidatur bei den steirischen Wahlen überhaupt Sinn macht. Das wäre eine Selbstaufgabe - die aber zum Erscheinungsbild des BZÖ passt: ein Boot, das nicht vom Fleck kommt. Und das der Co-Kapitän Hubert Gorbach verlassen will. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2005)

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