Höhere Entschädigungsansprüche nach dem Mediengesetz

12. Juli 2005, 15:48
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20.000 Euro ab 1. Juli möglich

Die Entschädigungsansprüche nach den Paragrafen 6 und 7 des Mediengesetzes werden erhöht. Ab 1. Juli betragen sie 20.000 statt bisher 14.535 Euro. Darauf machte der Wiener Rechtsanwalt Michael Wukoschitz anlässlich eines Seminars zum Thema "Kinder in den Medien" des Kuratoriums für Journalistenausildung und der Initiative Qualität im Journalismus in Salzburg aufmerksam.

Paragraf 6 betrifft die üble Nachrede, Paragraf 7 die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Die Ersatzansprüche sollen die "erlittene Kränkung" abgelten. Wukoschitz ortet eine "Tendenz des Gesetzgebers, diese Höchstgrenze immer wieder anzuheben". Im Vergleich dazu seien die Gerichte bei der Zuerkennung von Schmerzensgeld nach einer Körperverletzung recht knausrig, merkte der Anwalt an.

"Kinder in den Medien"

Das Seminar "Kinder in den Medien" fand - eineinhalb Jahre nach dem Fall Christian - auf Initiative der Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft statt. Im Jänner 2004 war der damals Achtjährige vor den Augen von Journalisten und Kamerateams von Exekutionsbeamten von seinem Vater abgeholt worden, um zu seiner obsorgeberechtigten Mutter gebracht zu werden. Die Bilder von dem sich heftig sträubenden Kind waren tagelang im Blickpunkt.

"Kinder wollen nicht, dass ihre Familiengeschichte in der Öffentlichkeit breitgetreten wird", sagte die Salzburger Kinderanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt und wies auf den Artikel 16 der Kinderrechtskonvention hin, der Mädchen und Buben das Recht auf Privatsphäre ausdrücklich zuspricht.

Kinder wollen nicht bloßgestellt werden - weder im Familien- und im Freundeskreis und schon gar nicht in der der Öffentlichkeit via Medien. Dem entgegenstehen kann das öffentliche Interesse, das Berichterstattung erfordert und wie im Fall Christian durchaus positive Aufwirkungen haben kann - unter anderem gab es dann Schulungen für Gerichtsvollzieher. Kindern soll in Verfahren ein Beistand zur Verfügung gestellt werden.

Einen besonders tragischen Fall zitierten die Salzburger Psychiater Renate und Manfred Stelzig: Eine allein durch Zeitungsberichterstattung als Tochter eines Bankräubers "entlarvte" Zwölfjährige mit schwieriger Familiengeschichte - sie lebte in einer Kleinstadt - geriet dermaßen aus dem seelischen Gleichgewicht, dass sie unter Depressionen litt und schließlich aus dem Leben scheiden wollte. Erst nach etwa 15 Jahren erreichte die junge Frau einen psychisch halbwegs stabilen Zustand. (APA)

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