ÖVP kann sich zusätzliche Österreicher-Plätze vorstellen

7. Juli 2005, 18:29
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Brinek: "Österreicher sollen ebenso zum Zug kommen wie deutsche" - In sieben Fächern könnte der Zugang beschränkt werden

Die ÖVP kann sich nach dem etwaigen Verlust des Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) über Zugangsbeschränkungen an den heimischen Unis bei Bedarf die Finanzierung zusätzlicher Studienplätze für österreichische Studenten vorstellen.

Weitere Plätze

In jenen Fächern, in denen vor Studienbeginn Auswahlverfahren geplant sind, solle erhoben werden, wie viele Österreicher zugelassen werden. Seien es zu wenige, würden weitere Plätze finanziert, betonte ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek im "Kurier" (Freitag-Ausgabe).

Gleiches soll für Fächer gelten, wo nach einer Eingangsphase Beschränkungen geplant sind. "Damit sollen österreichische Maturanten im selben Umfang zum Zug kommen wie deutsche", so Brinek. Die SPÖ, die einen "Vorrang für österreichische Maturanten" gefordert hatte, hofft, dass Brinek den Vorschlag "beim Finanzminister durchbringt".

Derzeit diskriminierend

Der EuGH will sein Urteil am 7. Juli verkünden, der Nationalrat könnte bereits am Tag darauf mit einem entsprechenden Gesetz reagieren. Der EuGH-Generalanwalt hält das derzeitige System, wonach Personen mit einem nicht-österreichischen Maturazeugnis eine Studienberechtigung in ihrem Herkunftsland nachweisen müssen, um in Österreich studieren zu können, für eine Diskriminierung von EU-Bürgern. In der Praxis sind vor allem deutschen Studenten, die auf Grund des Numerus Clausus in ihrem Land keinen Studienplatz haben, betroffen.

Sollte Österreich das Verfahren tatsächlich verlieren, plant das Bildungsministerium, den Universitäten die Festlegung von Kapazitätsgrenzen zu erlauben. Per Gesetz könnte dann den Rektoraten für zwei Jahre das Recht übertragen werden, in jenen Fächern, in denen es in Deutschland einen Numerus Clausus gibt, Schranken festzusetzen. Dabei soll es eine gesetzlich fixierte Untergrenze geben, die beim Durchschnitt der Studienanfänger der letzten drei Jahre liegen könnte.

Sieben Fächer betroffen

Betroffen sind jene sieben Fächer, in denen es in Deutschland einen Numerus Clausus gibt - also Veterinärmedizin, Medizin, Zahnmedizin, Biologie, Psychologie, Pharmazie sowie Betriebswirtschaft und verwandte Fächer.

In einem ersten Schritt müsse dann festgestellt werden, wie sich Beschränkungen auf die Nationalitätenzusammensetzung ausgewirkt habe, meinte Brinek. Wenn sich dann herausstelle, dass weniger Österreicher als z.B. im Schnitt der vergangenen drei Jahre einen Platz haben, solle ein Stufenplan in Kraft treten.

Hoffnung auf Regelung

Nächster Schritt wäre dann die Ermöglichung eines Wiederantritts beim Aufnahmeverfahren. Entweder parallel dazu oder anschließend müsse es zusätzliche Plätze geben, für die sich wieder alle - unabhängig von der Nationalität - bewerben könnten. Für diese Regelung strebe man eine Vier-Parteien-Regelung an.

SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal hofft ebenfalls auf eine Regelung, die österreichischen Maturanten ausreichend Plätze an den Unis zur Verfügung stellt. Ohne entsprechende Initiative müsste man sonst erstmals in der Zweiten Republik Maturanten mit 18 Jahren sagen, dass sie nicht gut genug für die Uni seien. "Das muss man sich erst einmal den eigenen Kindern sagen trauen, wenn sie nach bestandener Matura vor Freude strahlend nach Hause kommen", so Broukal. (APA)

  • In jenen Fächern, in denen vor Studienbeginn Auswahlverfahren geplant sind, könnten unter Umständen weitere Plätze für österreichische Studierende finanziert werden.
    foto: standard/urban

    In jenen Fächern, in denen vor Studienbeginn Auswahlverfahren geplant sind, könnten unter Umständen weitere Plätze für österreichische Studierende finanziert werden.

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