Der Datenklau geht auch in Österreich um

6. Juli 2005, 10:20
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4328 Cybercrime-Anzeigen - vom Datenklau bis zur DDoS-Attacke - gingen im Vorjahr bei der Exekutive ein. Die Dunkelziffer liegt Experten zufolge jedoch viel höher - denn: Wer gibt schon gerne zu, dass er gehackt wurde?

So spektakuläre Fälle wie der jüngst bekannt gewordene Datendiebstahl bei der amerikanischen Kreditkartengesellschaft MasterCard gibt es in Österreich naturgemäß nicht, Straftaten, bei denen Computer, Internet und Co das wesentliche Handwerkzeug darstellen, nehmen aber auch in der Alpenrepublik zu. "2004 wurden 4328 Fälle bei uns angezeigt, die im Zusammenhang mit IT-Medien ausgeübt wurden", berichtet Markus Blank, Büroleiter der im Bundeskriminalamt angesiedelten Abteilung Computer-und Netzwerkkriminalität. Ein Plus von knapp 30 Prozent gegenüber 2004.

"Welches Unternehmen gibt schon gerne zu, dass es gehackt worden ist?"

Die Dunkelziffer in Sachen Datenklau und Co liege aber sicher viel höher, meint Blank, denn: "Welches Unternehmen gibt schon gerne zu, dass es gehackt worden ist?" Von einer gesetzlichen Vorschrift wie in den USA - dort gibt es seit einiger Zeit Bestimmungen, dass alle von Datenklau Betroffenen informiert werden müssen - hält der Experte nur wenig. "Wie will man jemanden in die Pflicht nehmen, der damit nicht herausrückt?" Und anlassunabhängige Recherchen gehören nicht zu den Aufgaben der Abteilung.

Bei den Hinweisen, die bei den 14 Beamten eingehen, handelt es sich zumeist um widerrechtlichen Zugriff auf elektronische Daten, Datenbeschädigung, Datenfälschung oder erhebliche Beeinträchtigung und Verlangsamung des Computersystems durch Viren, Trojaner etc.

DDoS-Attacken

2004 wurden in Österreich auch Fälle von Distributed Denial of Services (DDoS) in Verbindung mit versuchter Erpressung registriert. Dabei wird ein Webserver eines Unternehmens über ein großes Rechnernetzwerk mit sinnlosen Daten überflutet, bis dieser zusammenbricht. Nach erfolgter Attacke erhalten die Opfer - in diesem Fall waren es Online-Wettbüros - das "Angebot" sich von weiteren Angriffen "freizukaufen". Die mutmaßlichen Täter - drei Russen - konnten nach einer konzertierten internationalen Polizeiaktion gefasst werden.

Die Gesamtaufklärungsquote der angezeigten Fälle betrug 2004 immerhin 68,3 Prozent. Schadenssummen weist die Statistik nicht aus. (kat, DER STANDARD Printausgabe, 24. Juni 2005)

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