Biedermeier-Villa wird zum Treffpunkt der Generationen

10. November 2005, 15:41
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Kornhäusel-Villa wird saniert und bekommt eine neue Bedeutung als Teil einer seniorengerechten Wohnanlage

Wien - Eine Sanierung und eine innovative Wohnanlage in Wien-Ottakring Zwei Fliegen auf einen Schlag werden mit dem Projekt "Wohnen für Generationen" in Wien-Ottakring erledigt: Die Kornhäusel-Villa wird saniert und bekommt eine neue Bedeutung als Teil einer seniorengerechten Wohnanlage, die für Jung und Alt offen steht. Seit Jahrzehnten verfällt das Biedermeier-Landhaus, das zwischen 1802 und 1804 nach den Plänen des Wiener Architekten Josef Georg Kornhäusel erbaut wurde, Witterung und Schmutz haben dem kaiserlich gelben Gemäuer schon sichtlich zugesetzt.

Anfang des Jahres hat die gemeinnützige Wohnbauvereinigung Neue Heimat die Villa an der Ottakringer Straße samt der dahinter liegenden Liegenschaft zwischen Montleartstraße und Thaliastraße angekauft. Hinter der unter Denkmalschutz stehenden Kornhäusel-Villa entstehen insgesamt 91 Wohnungen, die von der Stadt Wien mit 4,6 Mio. € gefördert werden - bei Gesamtkosten von 12,7 Mio. €.

"Die Grundintention war, eine leistbare Wohnform für Menschen zu schaffen, die so lange wie möglich selbstständig in ihrer Wohnung bleiben wollen", erklärt Susanne Reppé von Neue Heimat, die das Projekt entwickelt hat. Die Wohnungen wurden so konzipiert, dass sie problemlos für alte und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Personen adaptiert werden können. Oft seien ältere Menschen durch kleine bauliche Hindernisse dazu gezwungen, die Wohnung zu wechseln oder in ein Pensionistenheim zu gehen, sagt Reppé.

Deswegen wurde bei der Planung die im Frühjahr in Kraft getretene Novellierung der Bauordnung hinsichtlich Barrierefreiheit einbezogen: Wohnungen sowie sämtliche Ein- und Ausgänge sind schwellenfrei ausgeführt, die Einhaltung von größeren Wendekreisen garantiert eine rollstuhlgerechte Benutzung.

Flexible Wohnungen Dahinter steht die Idee, dass Wohnen nicht eine Unterordnung an gegebene Architekturen bedeutet, sondern sich wie der Mensch selbst verändern lassen soll - auch mit zunehmendem Alter. So sind die Trennwände zwischen Bad und Toilette installationsfrei und können bei Bedarf zusammengelegt werden. Die Kooperation mit der "Leitstelle für behindertengerechtes Bauen und Wohnen" und dem Seniorenbeauftragten der Stadt Wien habe sich bei der Planung bewährt, betont Reppé. Mit deren Know-how konnte man "wirklich jedes kleine Detail beachten, um den Senioren das Leben so leicht wie möglich zu machen." Und wer gelegentliche Betreuung braucht, kann auf das Pflegepersonal des nahe gelegenen Pensionistenheims Liebhartstal zurückgreifen.

Ziel ist, eine Durchmischung verschiedenster Altersgruppen zu erreichen und durch einen zentralen Hof, Grünflächen und einen Spielplatz die Kommunikation zwischen den Generationen zu fördern. Die Erwartungen an das Wohnexperiment, das in rund zwei Jahren fertig gestellt sein soll, sind hoch. "Bisher gab es schon 800 Anmeldungen für die 91 Wohnungen. Das Echo ist einfach enorm - es scheint, dass viele Leute nur auf so ein Angebot gewartet haben", sagt Reppé.

Die revitalisierte Kornhäusel-Villa soll eine Café-Konditorei mit Gastgarten sowie Arztpraxen und ein Therapiezentrum beherbergen - und sie soll das Konzept einer lebendigen Nachbarschaft ergänzen. Der Ottakringer Bezirksvorsteher Franz Prokop ist überzeugt, dass die Wohnhausanlage "Wohnen für Generationen" auf das ganze Viertel ausstrahlt. Es sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie der geförderte Wohnbau aus einem unattraktiven Ort eine gefragte Adresse mache könne. (kri, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Juni 2005)

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