BSE-Kontrollen: Mehr Statistik als Sicherheit

2. Juli 2005, 19:38
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Politiker wollen strenge Vorschriften nicht lockern - Tierschützer und Grüne sehen artgerechte Fütterung als Lösungsansatz

BSE-Kontrollen dienen mehr der Statistik als der Sicherheit, sagen Praktiker. Politiker wollen die strengen Vorschriften nicht lockern. Tierschützer und Grüne sehen artgerechte Fütterung als Lösungsansatz.

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Bregenz - Während Politiker aller Parteien die Beibehaltung der flächendeckenden BSE-Tests fordern, halten Praktiker die strengen Auflagen für überholt. Seit 2001 wird Schlachtfleisch von Rindern, die über 30 Monate alt sind, mit Schnelltests auf BSE untersucht. "Wir sehen es als sinnlos an, weiter 100 Prozent der gesunden, geschlachteten Tiere zu untersuchen", sagt Bernhard Zainer, stellvertretender Vorarlberger Landesveterinär. Die Untersuchungen dienten nur der Statistik und abgesichertes statistisches Material, das Aufschluss über die BSE-Verbreitung gibt, habe man mittlerweile genug. Eine Reduktion der Tests auf 70 Prozent sei vertretbar.

Die Lockerung der Kontrollen - pro Jahr werden laut Zainer in Vorarlberg 5000 geschlachtete und 900 verendete Tiere untersucht - gefährde weder Gesundheit noch Sicherheit der Konsumenten. Mit dieser Forderung wird EU-Kommissar Markos Kyprianou, zuständig für Gesundheit und Verbraucherschutz, unterstützt. Er hatte, kurz bevor der zweite österreichische BSE-Fall öffentlich wurde, eine Änderung der Kontrollpraxis in Aussicht gestellt.

Verkaufsverbot für "Risikomaterial"

Während die Tests aus Sicht der Amtstierärzte nur zur Dokumentation dienen, müsse man am Verbot des Verkaufs von "Risikomaterial" wie Hirn und Rückenmark, festhalten. Zainer: "Das Wegwerfen dieses Materials dient wirklich der Volksgesundheit." Aus Italien, wo man nur ungern auf die "Bistecca fiorentina" verzichtet, waren Forderungen laut geworden, das Verbot aufzuheben.

Zweifel, ob die BSE-Kontrollen wirklich funktionieren, kommen von den Grünen. Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber fordert eine genaue Überprüfung, "weil es in den letzten Jahren massive Einsparungen bei Lebensmittelsicherheit und BSE-Tests gab".

Pirklhuber nimmt den BSE-Fall im Kleinwalsertal, der vermutlich durch mit Tiermehl versetztes Futter ausgelöst wurde, zum Anlass, auf die laschen Strafbestimmungen im Futtermittelrecht hinzuweisen: "Spätestens jetzt muss Umweltminister Josef Pröll die Strafbestimmungen im Futtermittelrecht an das Lebensmittelrecht anpassen, denn Verstöße gegen diese Bestimmungen werden in Österreich immer noch als Kavaliersdelikt behandelt." Die Tierschützer von Vier Pfoten sprechen sich für einen Verzicht auf Kraftfutter aus. Andreas Sax: "Tiergerechte und ökologisch verträgliche Nutztierhaltung garantiert die gewünschte Sicherheit vom Stall bis zum Teller." (jub, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Juni 2005)

  • Seit 2001 wird Schlachtfleisch von Rindern, die über 30 Monate alt sind, mit Schnelltests auf BSE untersucht.
    foto: standard/corn

    Seit 2001 wird Schlachtfleisch von Rindern, die über 30 Monate alt sind, mit Schnelltests auf BSE untersucht.

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