Sörensen streut Dogudan Rosen

1. Juli 2005, 19:29
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Der AUA-Chef erwartet sich ein gutes Angebot für die Airest, aber keine Do&Co-Aktien - Beim Betriebsrat regt sich Widerstand

Wien - AUA-Chef Vagn Sörensen macht keinen Hehl daraus, dass ihm Do&Co-Chef Attila Dogudan als neuer Eigentümer der Airest ganz recht wäre, allerdings müsse er finanziell "ein gutes Angebot legen". Es gebe viele Interessenten für die AUA-Tochter, wichtig sei der Preis, betonte Sörensen. Die Idee von Dogudan, den Kaufpreis von geschätzten bis zu 40 Mio. Euro in eigenen Aktien zu bezahlen, kann man bei der AUA allerdings nichts abgewinnen.

Widerstand vom Betriebsrat

Widerstand gegen einen Verkauf an Dogudan, der neben zahlreichen ausländischen Airlines seit 15 Jahren die Lauda Air mit Bord-Essen beliefert, kommt vom Betriebsrat. Thomas Häringer kündigte im Gespräch mit dem STANDARD an, dass er diese Entscheidung gegebenenfalls "heftig bekämpfen" würde. Er befürchtet, dass die AUA dann einem Monopolisten, der die Preise diktiert, ausgeliefert wäre. Sörensen widerspricht dem. "Mit dem neuen Eigentümer wird ein langfristiger für die AUA günstiger Vertrag gemachen, sonst könnte man das Unternehmen auch nicht verkaufen", so der AUA-Chef.

Häringer vermutet, dass die AUA-Führung beim Airest-Verkauf auch von Raiffeisen beeinflusst wird. Die Raiffeisen Holding NÖ/Wien ist mit 25 Prozent an Do&Co beteiligt. Airest beschäftigt 750 Mitarbeiter die im Vorjahr 70 Mio. Euro umsetzten. Das Airest-Catering-Team bereitete jährlich 6,4 Mio. Fluggastmenüs für 40 nationale und internationale Airlines zu, zusätzlich wurden 4,3 Mio. Gäste in 23 Lokalen der österreichischen Airport-Gastronomie bewirtet. Insgesamt betreute Airest in allen Geschäftssparten (neben Airline-Catering auch Business und Event Catering) rund 12,5 Mio. Gäste.

Fix dürfte mittlerweile auch das Konsortium sein, mit dem sich die AUA um die Privatisierung des Flughafens Bratislava bewerben will: Konsortialführer ist A-Way, die Infrastrukturtochter der Strabag, die Erste Bank und die AUA, die sich allerdings nur mit drei bis fünf Prozent am Konsortium beteiligen will. Offen ist derzeit noch, ob man auch für den Airport in Kosice (Ostslowakei) geboten wird.

Dritte Piste "überfällig"

Als "überfällig" nannte Sörensen den Bau der dritten Piste am Flughafen Wien. Das sei völlig unabhängig, ob nun der Flughafen in Bratislava zum Zug kommt. "Man kann den Verkehr nicht aufteilen zwischen Wien und Bratislava", betonte Sörensen bei der Verabschiedung der zwei letzten MD-80-Flieger am Mittwochabend. Es sei "ureigenste Aufgabe des Flughafens, die Infrastruktur zur Verfügung stellen. Schließlich wäre der Flughafen ohne dem Hauptkunden AUA um 40 Prozent kleiner und er, Sörensen, könne sich nicht vorstellen, dass der Flughafen gegen seinen wichtigsten Kunden arbeitet.

Wie lange Sörensen freilich noch so vehement auftreten wird, entscheidet er selbst heuer im Herbst. Wie berichtet, wird der AUA-Chef dann bekannt geben, ob er seinen im September 2006 auslaufenden Vertrag verlängern wird. Intern wird bereits mit seinem Ausscheiden gerechnet. Dann, so heißt es, werde der Vorstand wieder auf zwei Mitglieder (Josef Burger und Thomas Kleibl) reduziert.

Letzte MD-80 außer Dienst gestellt

Am Mittwochabend wurden die letzten Klassiker der früheren AUA-Flotte, zwei MD-80-Flieger (die frühere DC-9), außer Dienst gestellt. 1980 wurde die erste eingesetzt. Innerhalb von 25 Jahren kamen 20 Jets auf der Kurz- und Mittelstrecke zum Einsatz. Mit dem Verkauf der beiden letzten MD-80 (um rund zehn Mio, Euro) wurde ein weiterer Schritt zur Flottenbereinigung gesetzt. Die MD-80-Jets wurden durch Airbus ersetzt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6.2005)

  • Die beiden letzten MD-80-Flieger wurden am Mittwoch außer Dienst gestellt. Sie werden um rund zehn Millionen Euro verkauft.
    foto: standard/urban

    Die beiden letzten MD-80-Flieger wurden am Mittwoch außer Dienst gestellt. Sie werden um rund zehn Millionen Euro verkauft.

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