Orhan Pamuk - von RAU

3. Juli 2005, 18:40
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In der Person dieses türkischen Erfolgsautors konzentriert sich das Dilemma rund um den EU-Beitritt der Türkei

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk ("Schnee") bekommt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In der Person dieses Erfolgsautors konzentriert sich das Dilemma rund um den EU-Beitritt der Türkei. Pamuk ist Objekt einer Hasskampagne von türkischen Nationalisten und islamischen Fundamentalisten, weil er sich kritisch über die mangelnde Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern im Ersten Weltkrieg geäußert hatte. Bilder von ihm wurden auf Demonstrationen verbrannt, seine Bücher sollten aus den Bibliotheken entfernt werden.

Symptome für den extremen Nationalismus und den Mangel an demokratischer Kultur, die - neben vielen anderen Gründen - starke Zweifel an der Aufnahme der Türkei in die EU begründen. Andererseits sieht Pamuk selbst die "Zukunft der Türkei in Europa", weil nur dadurch die nationalistische bis rechtsextreme Grundströmung aufgebrochen, rechtsstaatliche Verhältnisse hergestellt werden und demokratische Mindeststandards vorgegeben werden könnten. Das ist ein Argument der liberalen Eliten in der Türkei, dem man sich nicht entziehen kann.

Die Sache kann aber auch dramatisch schief gehen, und das zählt angesichts der EU-Krise momentan mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.06.2005)

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