Statistik-Streit um Mietsteigerungen

12. Juli 2005, 14:10
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Die Steigerungen der vergangenen Monate sind laut einer Studie vor allem durch den Wechsel bei den statistischen Erhebungen zustande gekommen

Wien - Die massiven Wohnkostensteigerungen, die die Statistik Austria seit Mitte vergangenen Jahres in ihrem Verbraucherpreisindex ausweist, sind real nicht existent und auf praktisch auf die Umstellung bei Erhebungen durch die Statistik Austria zurückzuführen.

Ab Mitte diesen Jahres soll der hohe, von der Statistik ausgewiesene Preisauftrieb der Vergangenheit angehören und die Preissteigerungen auf das Niveau der allgemeinen Inflation oder sogar darunter zurückfallen.

Dies ist das Ergebnis einer am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellten Studie der Forschungsgesellschaft für Wohnen Bauen und Planen (FWG).

Studie für das Wirtschaftsministerium

Das Institut hat im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Wohnkosten in Österreich untersucht. Präsentiert wurde die Analyse von VP-Wohnbausprecher Wolfgang Großruck.

"Es gibt keine eklatante Steigerungen bei den Wohnungekosten. Diese bewegen sich in der Gegend der allgemeinen Inflationsrate oder darunter", sagte Großruck unter Hinweis auf die Studienergebbnisse. Seit etwa Mitte vergangene Jahres waren die von der Statistik Austria ausgewiesenen Wohnungskosten von Monat zu Monat stark gestiegen, teilweise um mehr als 10 Prozent.

Im Mai hatte dieser Teilindex der Teuerung 6,3 Prozent im Jahresabstand betragen und fiel damit beinahe drei Mal so hoch wie die allgemeine Teuerung aus. Die Verteuerungen führen immer wieder zu massiver Kritik seitens der Arbeiterkammer und der SPÖ.

Neue Stichproben

Nach Darstellung des Studienautors Wolfgang Amann sind derart starke Wohnkostensteigerungen im Wesentlichen die Folge eines Austauschs der Stichprobe in der Mikrozensus-Erhebung. Sie seien auch theoretisch kaum möglich, da ein großer Prozent der Wohnungen fix zu gesetzlich geregelten Mieten vermietet seien, meint Amann.

Neben weiteren statistischen Effekten, die in die gleiche Richtung wirkten, würden nun auch die Heizkosten in den Index einfließen - was vorher nicht der Fall gewesen sei. Dadurch sei die Teuerungskurse ab Mitte 2004 sozusagen um eine Stufe angehoben worden, erläuterte Amann.

"Man sollte einfach den Zeitraum vom dritten Quartal 2004 bis einschließlich dem zweiten Quartal 2005 mit einem Fragezeichen versehen", schlug Amann vor.

Umstellung abgeschlossen

Ab Jahresmitte 2005 werde beim Teilindex Wohnen der Datenbruch in den monatlichen Werten nicht mehr sichtbar sein, prophezeite Amann. Er bekräftigte seine Prognose von 2001, dass sich die Wohnkosten auf Dauer nicht beschleunigend, sondern dämpfend auf die Inflationsrate auswirken würden. Die Statistik Austria teile übrigens "im Wesentlichen" die Ergebnisse seiner Analyse, sagte Amann.

Statistik Austria: Wohnkostenanstieg Realität

Die Statistik Austria hat am Donnerstag eingeräumt, dass eine Umstellung des Mikrozensus per Anfang 2004 Auswirkungen auf Wohnkostenindex des VPI gehabt haben könnte, aber ausgeschlossen, dass die seit einiger Zeit zu beobachtenden hohen monatlichen Steigerungsraten hauptsächlich darauf zurückzuführen sind. Dass die Wohnkosten deutlich angezogen hätten, sei "nicht auf die Erhebung zurückzuführen, sondern Realität", sagte der der für den Verbraucherpreis (VPI) zuständige Statistik Austria-Experte Paul Haschka.

Allerdings seien einzelne Monatswerte im Jahresabstand nicht wirklich aussagekräftig, betonte Haschka im Gespräch mit der APA. Im vergangenen Jahr sei der Wohnungsaufwand um durchschnittlich 3,5 Prozent gestiegen, heuer werde der Wert größenordnungsmäßig wohl in derselben Höhe liegen. "Das liegt klar über dem allgemeinen VPI, ist aber weit von einzelnen Monatswerten um 10 Prozent (wie im Dezember 2004, Anm.) entfernt". Spitzenwerte wie die vom vergangenen Winter seien ungewöhnlich, deswegen wolle er auch nicht ausschließen, dass die Umstellung der Erhebung mit dazu beigetragen habe, sagte Haschka. Ausgelöst habe sie sie aber nicht.

Auch Haschka rechnet damit, dass sich in künftig der Wohnkostenanstieg deutlich abflacht - aber erst gegen Jahresende. Weil die Erhöhungen im letzten Jahr so hoch ausgefallen seien, werde das Tempo Wohnkostensteigerungen dann wahrscheinlich langsamer: Die Spitze ist vorbei."

Bures: "Zahlenspielereien"

SP-Bautensprecherin Doris Bures hat am Donnerstag VP-Bausprecher Wolfgang Großruck Realitätsverweigerung in Sachen Wohnkosten vorgeworfen und ihm "Zahlenspielereien" rund um die Wohnungsteuerung vorgeworfen. "Die statistischen Zahlenspielereien und das bemühte Anzweifeln der Berechnungsmethoden und Daten, die diese Erfahrungen bestätigen, sind offenbar in einer massiven Realitätsverweigerung des ÖVP-Wohnbausprechers begründet", so Bures im SPÖ-Pressedienst.

Die ÖVP wolle das "offensichtliche Problem" steigender Wohnungskosten wegreden. Großruck solle nur mit Mietern in einem beliebigen Wohnhaus reden, rät Bures. (APA)

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