"Heuer erwarten wir 50 Prozent Plus"

4. Juli 2005, 11:22
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Samih Sawiris, Vorstandschef von Orascom Hotels, im STANDARD-Interview über Entwicklungen in der Region

STANDARD: Orascom wurde 1950 von Ihrem Vater gegründet; später wurde es in drei Unternehmen aufgesplittet ...

Sawiris: Orascom Telecom und Orascom Construction Industries werden von meinen Brüdern geführt. Ich leite seit 1990 die Orascom Hotels and Development. Alle drei Unternehmen notieren an der Börse, die ersten beiden sind auch in London erhältlich. Unsere Aktie stieg an einem Tag um bis zu 14,2 Prozent auf 48 ägyptische Pfund und in zehn Tagen um 84,6 Prozent. Der Kurs des Mobilfunkanbieters Orascom Telecom Holding SAE kletterte bis zu 3,72 Prozent auf 467,8 Pfund und hat seit Jahresbeginn rund 80 Prozent dazugewonnen.

STANDARD: Nach dem 11. September drohte Ihrem Unternehmen das Aus ...

Sawiris: Das ist richtig - wir waren konkursreif und hätten die Luxusvillen und Apartments, die wir in El Gouna bei Hurghada bauen, nicht einmal verschenken können; niemand hätte sie uns abgenommen. Doch das hat sich zu unserem Glück geändert: Die Preise haben sich seither zumindest verdoppelt, oft auch vervierfacht. Wer verkauft, muss übrigens für den Gewinn der ersten drei Häuser keine Steuer zahlen; verkauft er mehr, werden 25 Prozent fällig. Heute können wir gar nicht schnell genug bauen, so groß ist die Nachfrage: Auch Prominente wie Lothar Mattäus oder Omar Sharif wohnen bei uns. Unsere Börsenkapitalisierung stieg von 60 auf 900 Millionen US-Dollar in zwei Jahren. Für heuer rechnen wir mit einem Anstieg der Aktie um rund 50 Prozent.

STANDARD: Wo sind Sie denn aktuell aktiv?

Sawiris: Wir bauen in Ägypten in El Gouna und am Sinai, in den Emiraten und in Jordanien: Dort haben wir am Golf von Akkaba ein Drittel der Küste gekauft.

STANDARD: Egal, ob jetzt ein Anleger eine Ihrer Villen oder Apartments oder die Aktie kauft - sehen Sie potenzielle Gefahren?

Sawiris: Erstens rate ich ab, in kleine Projekte zu investieren. Mit dem Boom steigt die Zahl der Anbieter - aber nicht alle sind vertrauenswürdig. Zweitens drohen von der politischen Seite Terroranschläge, das Klima zu vergiften. Damit ist aber bei unseren streng bewachten und abgeschirmten Projekten nicht zu rechnen. Sonst sehe ich keine Gefahren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2005)

Zur Person Samih Sawiris leitet die ägyptische Gesellschaft Orascom Hotels and Development - mit 40 Millionen Quadratmeter unter Entwicklung einer der größten und einflussreichsten Landentwickler des Nahen Ostens.

Das Gespräch führte Reinhard Kremer.
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