Israel: Friedenstauben locken Investoren

12. Juli 2005, 13:30
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Der zaghafte Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern lässt auch die Wirtschaft wieder hoffen. Steuersenkungen sollen internationale Anleger ins Land holen

Der Rückzug Syriens aus dem Libanon sowie eine Hausse an einigen Börsen der Nahost-Region werfen die Frage auf: Ist es Zeit für risikofreudigere Anleger, sich für ein Investment im Nahen Osten zu rüsten? In ausgewählten Märkten sehr wohl, meint Gabriel Wallach, Senior Portfolio Manager Global Emerging Markets von Fortis Investments: "Die Bewertungen der Börsen in der Region sind ausgesprochen günstig; ebenso die Wachstumsaussichten. Zusätzlich werden Investitionen aus dem Ausland das Wirtschaftswachstum ankurbeln."

Wallach bevorzugt Israel und die Türkei: "Die israelische Wirtschaft konnte durch das Nachlassen der Terroranschläge und ein Anziehen der Ausgaben in den Tech-Sektor bereits zulegen. Zusätzlich verspricht die Regierung eine Senkung der Körperschaftssteuer sowie der Kapitalertragssteuer; sie minimiert auch den Staatsanteil im Telekom- und Bankenbereich. Wir favorisieren daher Bank Leumi, Bank Hapoalim, MA Industries, Israel Chemicals (beide Agrarchemie; Anm.), Lipman (elektronische Zahlungssysteme) und M-Systems (Datenträger)."

In der Türkei ortet Gabriel Wallach Chancen durch die Ausrichtung in die Wachstumsgebiete des Nahen Ostens: "Hier setzen wir mit Is Bank und Akbank auf den Finanzsektor und den Zementhersteller Cisma."

"Wenige Gefahren"

Gefahren sieht der Fortis-Experte nur wenige: "Ein Rückfall bei den Friedens-und Demokratisierungsbestrebungen würde sich sicher kurzfristig negativ auswirken - ein weiteres Anziehen der Ölpreise jedoch nicht: Sie würden das Wachstum im Nahen Osten weiter antreiben."

Ghadir Abu Leil Cooper, Chef der Middle-Eastern-Equities-Abteilung bei Baring Asset Management, setzt vor allem auf Ägypten: "Die Börse hat sich schon im Vorjahr exzellent entwickelt (siehe Artikel links) und wir sind auch noch immer sehr positiv für diesen Markt eingestellt. Hier ist lokal aufflammender Terrorismus zweifellos ein abschreckender Faktor."

Cooper, der auch in Israel unterbewertete Aktien kauft, hält die politischen Risken allerdings für überschaubar. Templeton-Emerging-Markets-Spezialist Mark Mobius hält jetzt den Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen: "Diesmal sieht es beim Friedensprozess nach einer ernsthafteren Entwicklung aus. Die Bewertungen liegen noch immer unterhalb der in der Vergangenheit verzeichneten Niveaus und die Fundamentaldaten präsentieren sich nach wie vor solide. Ganz oben auf dem Radarschirm haben wir die Türkei."

Mobius hält jedoch nicht alle Länder für Investments geeignet: "Ausländer können zum Beispiel gut in Ägypten oder Marokko investieren, aber der Prozess ist nicht so einfach wie in den meisten Golfstaaten." Probleme sieht er vor allem im juristischen Gefüge: "Die Region hat Anlegern wirklich viel zu bieten. Die größten Hindernisse für Investments bleiben allerdings die manchmal fehlende Transparenz und die Rechtsstaatlichkeit."

"Chancen in den Reformprozessen"

Kerrie McEwen, Client-Portfolio-Managerin bei JP MorganFleming, sieht die Chancen der Region in den Reformprozessen begründet: "Das gilt für die Türkei ebenso wie für Israel. Die politischen Risiken sind beschränkt: Anschläge, die bei uns die Schlagzeilen dominieren, wirken sich auf des Geschäft der Unternehmen - ausgenommen die Tourismusindustrie - nicht aus. In Israel war jedoch auch das Vertrauen der Konsumenten durch den Terror erschüttert."

Die positiven Effekte, meint McEwen, überwiegen jedoch bei Weitem: "Die Wirtschaft aller beteiligten Länder profitiert von dem Freihandelsabkommen, das Ägypten und Jordanien mit Israel unterzeichnet haben, denn dadurch können sie praktisch durch die Hintertür auch zollfrei in die USA exportieren."

Aktuelle Zahlen, so Kerrie McEwen, stützen die positiven Aussichten für Israel: "Und in Ägypten wird ein Aufschwung bei Aktien durch einen breiten Wirtschaftsaufschwung und ein Bekenntnis zu Reformen getragen."

Die JP-MorganFleming-Analystin setzt in der Region auf Banken und Verbrauchsgüter sowie Immobilien. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2005)

  • Israels Wirtschaft (im Bild Jerusalem mit dem Tempelberg) profitiert bereits vom zaghaften Friedensprozess. Internationale Fonds warten auf die geplanten Privatisierungen im Finanz- und Telekomsektor
    foto: epa

    Israels Wirtschaft (im Bild Jerusalem mit dem Tempelberg) profitiert bereits vom zaghaften Friedensprozess. Internationale Fonds warten auf die geplanten Privatisierungen im Finanz- und Telekomsektor

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