Chinesen wollen US-Ölriesen Unocal übernehmen

12. Juli 2005, 15:06
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CNOOC, Chinas drittgrößtes Unternehmen, bietet 18,5 Milliarden Dollar - Amerikaner reagieren skeptisch

Peking - Der chinesische Staatskonzern China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC) hat am Donnerstag ein offizielles Übernahmeangebot für den US-Ölriesen Unocal vorgelegt. Der Branchendritte der kommunistischen Volksrepublik will 18,5 Mrd. Dollar (15,1 Mrd. Euro) in bar zahlen.

Der Wert der Offerte liegt um 1,5 Mrd. Dollar über einem Angebot des US-Konkurrenten Chevron Texaco. Die Unocal-Führung zeigte sich dennoch ablehnend: Das Angebot werde geprüft, doch bleibe es bei der Empfehlung für die Chevron-Offerte. Bei einem Erfolg wäre das Geschäft der bisher größte Einkauf eines chinesischen Investors im Ausland.

67 Dollar je Unocal-Aktie

CNOOC bietet insgesamt 67 Dollar je Unocal-Aktie. Die chinesische Staatsfirma sagte ausdrücklich den Erhalt aller Arbeitsplätze bei Unocal zu. "Dieses freundliche, voll durchfinanzierte Übernahmeangebot ist die bessere Variante für die Unocal-Aktionäre", betonte CNOOC-Chef Fu Chengyu.

Anders als der Chevron-Konzern, der bereits Pläne für Kostensenkungen in Millionenhöhe vorgestellt habe, wolle sein Unternehmen alle 6000 Stellen bei Unocal erhalten. Das zweitgrößte US-Ölunternehmen Chevron hatte sein Angebot im April vorgelegt. Die US-Kartellbehörde gab am 10. Juni ihre Zustimmung.

Vorwürfe, hinter dem Angebot stünden nationale Interessen der Regierung in Peking, wies CNOOC zurück. Hauptmotiv sei den Unternehmenswert aller Beteiligten zu steigern, sagte Fu.

80 Prozent mehr Vorräte

Sein Unternehmen erhofft sich von der Fusion nach eigenen Angaben eine Verdopplung seiner Öl- und Gasproduktion und eine Erhöhung seiner Vorräte um fast 80 Prozent. Unocoal verfügt über Öl- und Gasvorkommen in Thailand, Indonesien und Zentralasien, besitzt aber keine eigene Raffinerien und betreibt kein Endkundengeschäft.

CNOOC gehört neben Sinopec und PetroChina zu den Marktführern in China. Das Land, dessen Energieverbrauch von Wachstumsraten von mehr als neun Prozent angeheizt wird, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Nettoimporteur von Öl entwickelt.

CNOOC verfügt über eine Liquiditätsreserve von drei Mrd. Dollar. Der größere Teil der Kaufsumme würde aus Krediten von Investmentbanken sowie des chinesischen Hauptaktionärs finanziert.

Teurer aber sinnvoller Deal

Analysten bewerteten den Deal als teuer, aber sinnvoll. CNOOC gewänne aus den Unocal-Reserven im asiatisch-pazifischen Raum einen strategischen Vorteil, sagte Belle Liang von der Investmentbank Core Pacific Yamaichi in Hong Kong.

"Es ist kein billiges Geschäft", doch gebe es eine politische Komponente, nämlich die Energieversorgung Chinas zu sichern, sagte ein Experte der Beraterfirma Anbound, He Jun. Rekordhalter bei der Einkaufstour chinesischer Unternehmen im Ausland ist bisher die Lenovo-Gruppe, die im März das PC-Geschäft des US-Herstellers IBM für 1,25 Mrd. Dollar übernommen hatte. (APA)

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