Gewalt an Schulen: SPÖ sieht "Klima der Aggression"

6. Oktober 2005, 11:05
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Das starre Schulsystem verhindere effektive Maßnahmen gegen Gewalt und Mobbing - SP will Zusammenhang von Konflikten und Klassen­wiederholungen erforschen

Möglichkeiten für präventive Maßnahmen gegen Gewalt und Mobbing an den Schulen vermisst die SPÖ. Das jetzige Schulsystem sei "zu starr", meinte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser in einer Aussendung am Donnerstag. Lehrkräfte und Schüler würden völlig allein gelassen und fühlten sich oft ohnmächtig. Die SPÖ werde demnächst ein Konzept zu diesem Thema präsentieren.

Fachleute gegen Aggression

Zentrale Frage sei, warum an Schulen ein Klima der Aggressionen entstehe und wie es abgebaut und nicht noch gefördert werden könne, so Niederwieser. Für solche Fälle müsse den Schulen unter anderem ein gewisses Kontingent eingeräumt werden, um spezialisierte Fachleute zu Rate ziehen zu können, schlug er vor. Überlegt werden müssten auch Unterstützungsangebote für Lehrpersonen.

Emotionale Belastung

Erforschen will Niederwieser, inwieweit es einen Zusammenhang von Aggression und dem österreichischen Klassenwiederholungssystem gebe. "SchülerInnen, die durch Sitzenbleiben in eine andere Klasse mit jüngeren MitschülerInnen wechseln müssen, sind emotional zusätzlich belastet, als wenn sie im Klassenverband bleiben können und ihre Defizite durch gezielten Förderunterricht aufholen können", betonte der SPÖ-Bildungssprecher. Ein Ausschluss von Schülern sei keine Lösung und auch nicht gewünscht.

Kleinere Klassen sollen helfen

Der Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an den Pflichtschulen, Kurt Nekula, verlangte in einer Aussendung statt einer "gezielten Säuberung der Schulen von störenden Kindern und Jugendlichen" kleinere Klassen und mehr Möglichkeiten für Kleingruppenunterricht, eine gezielte Aus- und Fortbildung der Lehrer für dem Umgang mit Konflikten, den Einsatz von Stütz- und Förderlehrern an jeder Schule sowie eine stärkere Individualisierung des Unterrichts.

Immer jünger und brutaler

Studien zeigten, dass die Zahl der Personen mit psychischen Auffälligkeiten und Erkrankungen über die Jahrzehnte hinweg konstant geblieben sei, so Nekula. Auffällig sei aber, dass die "Klienten" immer jünger würden und immer weniger Scheu vor Gewaltakten zeigten. In den vergangenen vier Jahren habe das Schulsystem mit dem Problem zu kämpfen gehabt, dass den Pflichtschulen 220 Mio Euro oder 120.000 Wochenstunden abhanden gekommen seien. Dies habe dazu geführt, dass die Klassen um bis zu 20 Prozent größer geworden wären und die sonderpädagogische Betreuung dramatisch zurückgegangen sei. (APA)

  • Ist das starre Schulsystem schuld an Aggressionen im Klassenzimmer? Die SP vermutet einen Zusammenhang.
    foto: standard/cremer

    Ist das starre Schulsystem schuld an Aggressionen im Klassenzimmer? Die SP vermutet einen Zusammenhang.

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