"Es überwiegt Frustration"

20. Oktober 2005, 16:14
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Gut 90 Prozent der SchülerInnen fühlen sich über ihre eigene Interessensvertretung nicht ausreichend informiert und von der Politik nicht genug berücksichtigt

Wien - Die österreichischen Schüler finden ihre Interessen in der Landes- und Bundespolitik nicht berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der SP-nahen Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) unter rund 12.000 Schülern, die am Donnerstag in Wien präsentiert wurde. Insgesamt finden nur knapp 88 Prozent ihre Interessen in der Politik wieder. Ein schlechtes Zeugnis stellt die Umfrage auch dem derzeitigen Modus der Schülervertretungswahlen aus.

Nicht ausreichend informiert

Nur 13 Prozent kannten ihre Schülervertreter auf Landesebene (Landesschulsprecher). Diese werden derzeit von den jeweiligen Schulsprechern im Juni bzw. Juli für das nächste Schuljahr nur indirekt gewählt. Mehr als 90 Prozent der Befragten fühlen sich über Landes- und Bundesschülervertretung nicht ausreichend informiert. Die AKS fordert daher eine Direktwahl der Landesschülervertretung als auch der Bundesschülervertretung (wird derzeit von den Landesschulsprechern im September gewählt, Anm.) durch alle Schüler. Geteilt wird dieser Wunsch (auf Landesschulebene) von 57 Prozent der Befragten.

AKS will Schüleranwaltschaft

Wenig unterstützt fühlen sich die Schüler von den Landesschulräten. Nur knapp 78 Prozent fühlen sich bei Problemen und Rechtsfragen von ihnen ausreichend vertreten. Als Lösung schwebt der AKS eine Schüleranwaltschaft als unabhängige Stelle in jedem Bundesland vor. Kaum Illusionen geben sich die Schüler bei Auseinandersetzungen mit Lehrern hin. 80 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass bei Konflikten mit Pädagogen deren Meinung mehr zählt.

"Es überwiegt Frustration"

An der in Anlehnung an die PISA-Studie DISA (Democracy in schools of Austria) benannten Umfrage haben knapp 12.000 Schüler an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) aus allen Bundesländern teilgenommen.

Die AKS ist von dem Ergebnis "ernüchtert". Das Vertrauen der Schüler, auf Entscheidungsprozesse Einfluss nehmen zu können, scheine kaum vorhanden zu sein: "Es überwiegt Frustration über die bestehenden Arten von Beteiligungsprozessen", lautet das Resumee der Schülervertreter. Abhilfe könnten neue Beteiligungs- und Wahlmodelle schaffen. (APA)

  • Die AKS schlägt mehrere Lösungsansätze vor. Am wichtigsten ist Vorsitzender Kim Kadlec, dass "SchülerInnen als gesellschaftliche Gruppe Ernst
genommen, ihre VertreterInnen angehört und endlich diejenigen
mitbestimmen können, die es betrifft".
    foto: aks

    Die AKS schlägt mehrere Lösungsansätze vor. Am wichtigsten ist Vorsitzender Kim Kadlec, dass "SchülerInnen als gesellschaftliche Gruppe Ernst genommen, ihre VertreterInnen angehört und endlich diejenigen mitbestimmen können, die es betrifft".

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