Augenhöhe als Frage der Perspektive

11. Juli 2005, 15:06
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Nach dem bisher vielleicht besten Spiel sieht sich die DFB-Elf plötzlich wieder ganz auf Augenhöhe mit Argentinien und Brasilien

Nürnberg - Gut, gegen einen wirklich großen Gegner hat die deutsche Nationalmannschaft schon seit bald fünf Jahren nicht mehr gewonnen. "Aber", sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach dem 2:2 (1:1) gegen Argentinien beim Confederations Cup in Nürnberg, "man kann das Ding auch umdrehen. Seit wir im Juli 2004 angefangen haben, haben wir gegen die Großen nicht mehr verloren."

Und das mit dem ersten Sieg, so glauben sie jetzt, wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. "Wir wollen im Halbfinale Brasilien und dann im Endspiel wieder Argentinien", stellte Klinsmann schon einmal ein ambitioniertes Wunschmenü bis kommenden Mittwoch zusammen.

Dass die nach den ersten beiden Partien gegen Australien und Tunesien ziemlich heftig kritisierten Deutschen auf die 90 Minuten von Nürnberg stolz sein konnten, bewies auch die ausgelassene Stimmung im Lager der Argentinier. Dort freute man sich über das dank einer ganz starken zweiten Halbzeit errungene Remis derart, dass beim Freudentänzchen im Mannschaftsbus die Stoßdämpfer bedenklich quietschten. "Völlig egal, was alle anderen sagen, ich liebe dich von ganzem Herzen und folge dir überallhin", sangen sie zu Ehren ihres Trainers Jose Pekerman. Überallhin heißt zunächst einmal Finale des Confederations Cups am kommenden Mittwoch, wie Juan Ramon Riqueleme, der überragende Mann der "Albiceleste" und folglich auch "Man of the Match", versicherte.

"Er hatte einen überragenden Tag und einmal mehr gezeigt, dass er ein Topspieler ist. Es hat sich gelohnt, ihm heute zuzuschauen", sagte Michael Ballack, der Spielmacherkollege aufseiten der Deutschen, der für das Halbfinale geschont worden war.

Gerade Ballacks Abwesenheit machte für die Deutschen das Remis so wertvoll. Es sei positiv, "wenn man nicht nur aus zehn Leuten und Michael Ballack besteht", sagte Verteidiger Per Mertesacker. Ballack braucht um seinen Stammplatz aber ebenso wenig zu fürchten wie Oliver Kahn, auch wenn die Nummer drei im deutschen Tor, Timo Hildebrand, gegen Argentinien nicht abfiel. "Wir haben mit Kahn eine Nummer eins und mit Jens Lehmann eine unglaublich starke Nummer zwei", legte Klinsmann fest.

Wie schnell sich der Wind drehen kann, durfte auch Robert Huth erfahren. Nach den ersten beiden Partien noch als geistig wie körperlich unbeweglicher Klotz dargestellt, erfreute sich der Verteidiger von Chelsea nach der Partie bester Kritiken. Er und Mertesacker, beide gerade erst 20 Jahre alt, werden schon mit dem Duo Jürgen Kohler und Guido Buchwald verglichen. In 90 Minuten kann wirklich sehr viel passieren. (DER STANDARD Printausgabe 23.06.2005)

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    Asamoah und Kurany haben sich gern. Auch am Feld harmonierten die Beiden gut.

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