Minister macht Stimmung für Austrian Beef

2. Juli 2005, 19:38
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Sorge um den Rindfleischmarkt, der sich von der Krise 2001 gerade erst erholt hatte

Die Nachricht vom neuerlichen Rinderwahn-Alarm ist noch nicht verdaut, da beginnen vonseiten der heimischen Fleischwirtschaft bereits die Versuche einer Schadensbegrenzung. Also kündigte Landwirtschaftsminister Josef Pröll am Mittwoch eine Informationsoffensive in den wichtigsten Rindfleisch-Exportländern Österreichs an, um Exporteinbrüche wie nach dem ersten BSE-Fall im Jahr 2001 zu verhindern.

Als allerersten Schritt lud er die Botschafter der EU-27 (sämtlicher Unionsländer sowie Bulgariens und Rumäniens), der Balkanstaaten, Russlands und Algeriens am Mittwochnachmittag ins Ministerium ein, weitere Aktivitäten sollen in den nächsten Tagen folgen – mit dem Ziel, in den Drittstaaten außerhalb des gemeinsamen Marktes die Hemmschwelle gegenüber Importbeschränkungen für Austrian Beef hoch zu halten und in der EU die heimische Fleischqualität zu preisen.

Italien wichtigstes Abnehmerland

Etwa in Italien, dem wichtigsten Abnehmerland für Rind aus Österreich, das als EU-Staat keine offiziellen Importbeschränkungen ausrufen kann. Nach Italien ging im Jahr 2004 Rind im Wert von 34,2 Millionen Euro, insgesamt bezogen die EU-Länder in diesem Jahr 62.730 Tonnen Austrian Beef. Im Jahr 2004 gab es in Österreich rund 804.000 Stück Rinder und 87.144 Rinderhalter, wie die Statistik Kuhbauern bezeichnet. Der Inlandsverbrauch hat ein relativ stabiles Niveau von ca 142.000 Tonnen.

Berechtigt scheinen Minister Prölls Sorgen vor dem Hintergrund der Exporterfahrungen nach dem ersten österreichischen BSE-Fall im Jahr 2001. Damals war der Rindfleischverkauf gegenüber dem Jahr 2000 um 19 Prozent eingebrochen (siehe Grafik). Der Preis sank um 17 Prozent auf 6,88 Euro pro Kilo. Dabei war schon 2000 ein schwaches Jahr mit erheblichen Rückgängen bei Verkaufsmenge und Preis gewesen.

Preis blieb im Keller

Drei lange Jahre sollte diese Krise währen. Erst 2004 erholte sich der Rindfleischmarkt wieder – wenn auch mit einem Verkaufsplus von 19,2 Prozentpunkten nur bei den Mengen, nicht beim erzielten Preis. Nach einer Erholung auf 7,48 Euro pro Kilo Beef sank dieser auf derzeit 6,77 Euro. Damit liegt er niedriger als 2001 vor dem ersten Einbruch des Rinderwahns in den Feinkostladen Österreich.

Dieser hatte nach 2001 vor allem einer Konkurrenzsparte auf dem Fleischsektor Auftrieb gegeben: Die heimischen Geflügelproduzenten konnten ihre Absätze stark steigern. (Irene Brickner, Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe 23.6.2005)

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