Es kann eigentlich nur Liebe sein

3. Juli 2005, 18:40
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FPÖ und BZÖ können trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht voneinander lassen - von Samo Kobenter

Selten haben zwei Parteien so viel Unterhaltung geboten wie BZÖ und FPÖ in den letzten Tagen und Wochen. Vielleicht kommt das daher, dass sie aus einer gemeinsamen Lachwurzel entstanden sind, die beide noch immer mit ausreichend Komik versorgt.

Dabei ist nur in zweiter Linie die Abspaltung der Orangen von den Blauen gemeint, die allein Kabarettprogramme für mehrere Spielsaisonen zu füllen vermag. In erster Linie muss dem FPÖ-Generalsekretär Karlheinz Klement und BZÖ-Bündnissprecher Uwe Scheuch gedankt werden, die zwischen allerlei Grobheiten und Flegeleien im Standard- Interview doch auch eingestehen mussten, voneinander nicht lassen zu können: Daran, dass beide Kärntner sind, kann es nicht liegen, so lustig sind die dort auch wieder nicht. Es muss schon Liebe sein.

Und die ist bisweilen ein seltsames Spiel, da mag am Tag danach Klement noch so lebhaft beteuern, es sei alles nicht so gemeint gewesen. Es passt zu gut in die Entstehungsgeschichte des BZÖ, die ja mit der Scheidung von der FPÖ begonnen hat: Zu wenig Liebe hatte Jörg Haider am Ende der Ehe von den Freiheitlichen bekommen, also sah er sich nach einem neuen Pantscherl um, nach Zustimmung, Geborgenheit und Anerkennung, all den profanen Beigaben, die Beziehungen eben festigen, wenn der erste Rausch der Gefühle einmal verflogen ist.

Er fand es bei sich selbst und einigen Getreuen, die ihm genügen, was wiederum ihm genügt zur Hoffnung, sie und sich selbst noch einmal zu großen Höhenflügen mitzureißen. Unangenehmerweise steht davor die Aufteilung des verlassenen Hausstandes, die sich in diesem besonderen Fall auch nicht ganz problemlos anlässt.

Mehr als das - es ist ja bloß Geld - dürfte sich sowohl den BZÖ-Machern als auch den verbliebenen FPÖ-Funktionären das verheerende Echo auf den Magen geschlagen haben, das die Scheidung in der präsumtiven Wählerklientel der beiden Parteien hervorgerufen hat. Wenn das BZÖ den Umfragen zufolge in Kärnten ^bestenfalls gleichauf mit einer abgewirtschafteten SPÖ liegt und bundesweit kaum über die Wahrnehmungsgrenze lugt, wenn die FPÖ in Kärnten jenseits der Wahrnehmbarkeit agiert und bundesweit um den Fortbestand zittert, dann muss für beide etwas fürchterlich schief gelaufen sein.

Die Beschuldigungen der Blauen, das alles habe man ausschließlich Haiders unüberbietbarer Egomanie zu verdanken, werden im Kern schon stimmen, er ist dort ja kein Unbekannter. Bloß: Warum legt sich die FPÖ mit dem BZÖ zur gemeinsamen Partnertherapie auf die Couch der Öffentlichkeit, wo ohnehin klar ist, wer wen verlassen und wer wem was angetan hat? Es dürfte also Liebe sein, und die ist in ihrer verzweifelten Schamlosigkeit oft komisch, besonders von außen betrachtet.

Etwas Ähnliches muss wohl auch Scheuch gespürt haben, als er Klement eine Wiedervereinigung in Aussicht gestellt hat. Auf einen positiven politischen Effekt kann er ernsthaft nicht spekulieren, das tun sich nicht einmal die leidgeprüften Anhänger beider Parteien an.

Zunächst raus aus der FPÖ, dann rein in die FPÖ, rein in das BZÖ und wieder raus: Was sich wie die verkürzte Beschreibung des Paarungsrituals zweier autistischer Rauhaardackel anhört, kann doch nicht als Politik durchgehen. Es kann also nur Liebe sein. Spannend wird es allerdings, wenn diese Liebe öffentlich auf Politik trifft. Das wird spätestens im Herbst der Fall sein, wenn die nächsten Landtagswahlen anstehen.

Bis dahin wollen es BZÖ und FPÖ allein mit sich selbst aushalten, wie beide mittlerweile tapfer beteuern. Was nachher sein wird, steht in den Sternen, aber diese Unwägbarkeit macht das Leben ja so aufregend. Und, wer weiß, vielleicht sehen die Nationalratswahlen doch eine gemeinsame blau-orange Partei, oder vielleicht spaltet sich noch eine neue Farbe aus diesem Spektrum ab: Mathematisch betrachtet ist die endgültige Unteilbarkeit noch lange nicht erreicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2005)

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