Medizin-Universität Graz trennt sich von ihrem Kanzler

5. Juli 2005, 11:48
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Walland soll Geschäftsführer einer Firma sein, die einen Auftrag von der Uni bekommen hat - Walland dementiert Vorwürfe: "Schlichtweg falsch"

Graz - Im Rektorat der Medizinuniversität Graz gärt es: Wie die "Kleine Zeitung" in ihrer Ausgabe vom Mittwoch berichtete, wurde deren Kanzler vom Dienst freigestellt. Gerald Walland soll Geschäftsführer einer Firma sein, die einen Auftrag von der Universität bekommen hat. Dies wollte man am Mittwochvormittag von Seite der Universität weder bestätigen noch dementieren: "Wir meinen, dass ein wichtiger Grund vorliegt, der uns berechtigt, das Dienstverhältnis aufzulösen", hieß es in einem kurzen Statement der Medizin-Uni.

"Der Rektor der Medizinischen Universität Graz wird im Einvernehmen mit dem Rektorat dem Universitätsrat für die Sitzung am 1. Juli 2005 die Trennung von Herrn Dr. Walland vorschlagen. Wir meinen, dass ein wichtiger Grund vorliegt, der uns berechtigt, das Dienstverhältnis aufzulösen", hielt die Medizinische Universität in ihrem kurzen schriftlichen Statement gegenüber der APA fest.

Walland selbst war Mittwochvormittag für ein Gespräch nicht erreichbar. Laut Zeitungsbericht soll er bereits rechtliche Schritte gegen seine Beurlaubung und die angestrebte Beendigung seines Dienstverhältnisses in Aussicht gestellt haben. Der Vorsitzende des Universitätsrates, Franz Marhold, wollte sich gegenüber der APA zu der Causa ebenfalls nicht äußern.

Walland (45) ist seit dem 1. Oktober 2003 ein Teil des aus fünf Personen bestehenden Rektorates der Medizinischen Universität. Der studierte Betriebswirt war u.a. Leiter des betrieblichen Rechnungswesens der Grazer Stadtwerke AG, kaufmännischer Leiter einer Schuhfabrik, Geschäftsführer einer Wohnbaugesellschaft und Geschäftsführer der AE Energietechnik und Finanzvorstand der Austrian Energy (AE), die 2002 von der deutschen Mutter Babcock in den Konkurs gerissen wurde, heute aber eigenständig und erfolgreich agiert.

Walland wehrt sich gegen Vorwürfe

"Als schlichtweg falsch" bezeichnete der Kanzler der Medizin-Uni Graz, Gerald Walland, den Vorwurf, er sei ohne Wissen der Universitätsleitung Geschäftsführer einer Firma, die einen Auftrag der Universität erhalten habe. Richtig sei, dass die Uni an ihn bezüglich einer Vertragsauflösung herangetreten sei, allerdings in anderem Zusammenhang, so der suspendierte Kanzler in einer Stellungnahme gegenüber der APA am Mittwochnachmittag.

Am Donnerstag vergangener Woche habe es ein Treffen von ihm und seinem Rechtsbeistand mit Rektor Gerhard Franz Walter und Universitätsratsvorsitzendem Franz Marhold gegeben, bei dem man übereingekommen sei, "dass das Ganze unter Schonung beider Parteien ablaufen soll". Man habe ein Stillhalteabkommen vereinbart, das nun in den Augen von Walland gebrochen worden ist.

Was seinen "Nebenjob" anbelange, gebe es in seinem Dienstvertrag eine Klausel, die ihn berechtige, seine Geschäftsführerfunktion während der Zeit als Kanzler weiterzuführen. Dieser Vertrag sei vom Rektor unterschrieben. Er selbst habe nie eine Firma im Namen der Universität beauftragt, "sondern wenn, hat das immer der Rektor gemacht", so Walland. (APA)

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