Kaum Auswirkungen des BSE-Falls erwartet

12. Juli 2005, 14:46
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2001 brach Verkauf von Rindfleisch um knapp 19 Prozent ein - Profiteure der damaligen BSE-Krise waren Geflügelmäster und -verarbeiter

Wien - Der BSE-Fall im Kleinwalsertal sorgt bei der österreichischen Wirtschaft für wenig Verunsicherung. Bauernvertreter, Fleischverarbeiter und der Handel erwarten im In- und Ausland kaum Auswirkungen - ganz im Gegensatz zu 2001, als die erste BSE-Erkrankung in Österreich auftrat. Als Gründe für den Optimismus werden die bessere Information der Bevölkerung und strengere Qualitätskontrollen genannt.

AMA erwartet Absatzzuwachs beim Rindfleisch

Für das Gesamtjahr 2005 erwartet die Agrarmarkt Austria (AMA) einen Absatzanstieg bei Rindfleisch gegenüber 2004, wo es bereits zu einem kräftigen Wachstum gekommen war. Die beiden größten heimischen Handelsketten, der Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Bipa, Emma, Penny, Mondo) und die Spar-Gruppe (Spar, Interspar, Eurospar, Maximarkt), haben jedenfalls heute keinen Rückgang bei der Kauffreudigkeit der Konsumenten feststellen können. "Keinen Grund zur Panik" sieht man auch bei McDonald's Österreich.

Auch das Fleischergewerbe vertraut darauf, dass die Österreicher weiterhin ihrem Rindsbraten frönen, so die Fleischerinnung am Mittwoch auf APA-Anfrage. 2001 hatten selbst kleinere Fleischereien erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. So erklärte etwa die Fleischerei Stöckelmaier im niederösterreichischen Großmugl, dass sie vor vier Jahren einen Verkaufsrückgang bei Rindfleisch von rund 15 Prozent verzeichnete. Zuversicht herrscht auch in der Landwirtschaftskammer. Eine "gewisse Kaufzurückhaltung" werde zwar erwartet, so Rinderexperte Adolf Marksteiner, allerdings nicht in dem Ausmaß wie beim ersten BSE-Fall in Österreich.

Einbruch 2001

2001 brach der Verkauf von Rindfleisch gegenüber 2000 um knapp 19 Prozent ein. Insgesamt wurde mit 13.341 Tonnen um rund 3.000 Tonnen weniger Rindfleisch verkauft als noch ein Jahr zuvor. Der Preis sank um 17 Prozent auf 6,88 Euro pro Kilo Rindfleisch. Dabei war schon 2000 ein schwaches Jahr mit erheblichen Rückgängen bei Verkaufsmenge und Preis.

Doch damit nicht genug, ging die schwache Entwicklung auch die folgenden Jahre weiter. Erst 2004 kam es zu einer Erholung. Im vergangenen Jahr gab es gegenüber 2003 ein Verkaufsplus von 19,2 Prozent auf gut 14.000 Tonnen. Der Verkaufspreis sank allerdings in diesem Zeitraum von 7,48 auf 6,77 Euro. Er liegt damit unter dem Wert von 2001, als im November der erste BSE-Fall in Österreich auftauchte.

Zwei Millionen Rinder in Österreich

Insgesamt gibt es in Österreich derzeit knapp über 2 Mio. Rinder. Den überwiegenden Anteil stellen Kühe von 2 Jahren und älter dar. Die meisten Tiere gibt es in Oberösterreich, gefolgt von Niederösterreich und der Steiermark. Die verbreitetste Rasse mit über 1,5 Mio. Stück ist das Fleckvieh, gefolgt von Braunvieh und Holstein Friesian.

Profiteure der BSE-Krise waren 2001 und in den Folgejahren die Geflügelmäster und -verarbeiter. Wurde 1998 Flugvieh im Lebensmitteleinzelhandel im Wert von rund 140 Mio. Euro eingekauft, waren es 2001 ca. 180 Mio. Euro. 2004 sank der Wert wieder auf rund 170 Mio. Euro. Insgesamt wurde in Österreich in den vergangenen Jahren jährlich Frischfleisch (Schwein, Rind Geflügel) im Wert von 350 Mio. Euro eingekauft, Der Löwenanteil - etwa 170 Mio. Euro - entfiel auf Schweinefleisch. (APA)

  • 2001 brach der Verkauf von Rindfleisch gegenüber 2000 um knapp 19
Prozent ein.
    foto: derstandard.at/graf

    2001 brach der Verkauf von Rindfleisch gegenüber 2000 um knapp 19 Prozent ein.

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