Stichwort: Die EU-Zuckermarktordnung

4. Juli 2005, 10:50
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Letzter Bereich der EU-Agrarpolitik, der noch völlig reguliert ist

Brüssel - Die EU-Zuckermarktordnung ist der letzte Bereich EU-Agrarpolitik, der nach wie vor vollständig reguliert ist. Sie wurde seit ihrer Einführung 1968 in den Grundstrukturen nicht wesentlich verändert.

Da sie Ende Juni 2006 ausläuft, ist die Reform - die in Grundzügen noch vom früheren Agrarkommissar Franz Fischler ausgearbeitet wurde - dringend notwendig.

Dazu kam das Urteil der Welthandelsorganisation (WTO) Anfang Mai 2005, mit dem die EU-Subventionen für Zucker für rechtswidrig erklärt wurden.

Kompliziertes System

Die bisherige Zuckermarktordnung der EU ist ein kompliziertes System aus Produktionsquoten, garantierten Binnenpreisen, Exportsubventionen für Überschüsse, Zöllen und Präferenzbedingungen für Einfuhren aus bestimmten Entwicklungsländern.

Bisher garantierte die EU einen Mindestpreis für Zuckerrüben von 43,6 Euro je Tonne und für Zucker von 632 Euro je Tonne. Darüber hinaus werden jedem Mitgliedstaat bestimmte Quoten vorgeschrieben sowie die finanzielle Beteiligung der Produzenten bei Überschüssen.

WTO-Streit

Der Streit vor dem WTO-Schiedsgericht entzündete sich vor allem an den Zuckerüberschüssen der EU, dem so genannten C-Zucker, der unter dem Weltmarktpreis von rund 200 Euro je Tonne angeboten wurde.

Große Zuckerproduzenten wie Brasilien, Australien und Thailand hatten geklagt. Ihr Vorwurf: Die ungestützten Exporte seien nur möglich war, weil die Zuckerbauern im EU-Binnenmarkt so hohe Erlöse erwirtschafteten und es sich deshalb um illegale Quersubventionen handelte.

Die wichtigsten Begriffe und Daten des EU-Zuckermarktes:

  • A-Zucker: Der Zucker für den Binnenmarkt (14,7 Mio. Tonnen), für den der volle Stützpreis bezahlt wird.
  • B-Zucker: Der Zucker, der in den Export geht (2,7 Mio. Tonnen) und für den es geringere Garantiepreise gibt.
  • C-Zucker: Überschüsse aus Überproduktion, aber auch aus Importen von AKP und am wenigsten entwickelten Ländern, der ohne Preisstützungen abgesetzt wird.

Garantie- und Mindestpreise

Für die Tonne Zuckerrüben (in gängiger Qualität) bekommen die Bauern einen garantieren Mindestpreis von 42,6 Euro pro Tonne.

Für die Tonne A-Zucker gibt es in der EU 632 Euro verglichen mit dem Zucker-Weltmarktpreis, der zuletzt zwischen 150 und 250 Euro je Tonne schwankte. Die Preise werden nicht subventioniert, sondern entstehen durch den höheren Preis, der den Konsumenten verrechnet wird.

EU-Zucker-Produktion

Insgesamt produziert die EU pro Jahr 19 bis 20 Mio. Tonnen Zucker, etwa 13 Prozent des Weltmarktes. 17,44 Mio. Tonnen davon sind preisgarantierter Quoten-Zucker. 21 der 25 EU-Länder (alle außer Luxemburg, Estland, Zypern und Malta) produzieren Zucker, 50 Prozent der EU-Produktion stammen aus Frankreich und Deutschland und Polen.

In Österreich bauen etwa 9.500 Bauern Zuckerrüben an. Österreichs einziger Zuckerverarbeiter, die Agrana betreibt noch drei Zuckerfabriken in Hohenau, Leopoldsdorf und Tulln. EU-weit gibt es mehr als 325.000 Rübenbauern und rund 220 Zuckerverarbeiter.

Zuckerimporte und Exporte

Die EU importiert seit 1975 pro Jahr 1,3 Mio. Tonnen aus dem AKP-Staaten, sowie 10.000 Tonnen aus Indien zum vollen Garantiepreis. Zusätzlich gibt es seit 2002 im Rahmen des "Everything but arms"-Abkommens zollfreie Quoten für Zucker aus den ärmsten Ländern.

Ab 2009 soll dieser Markt vollständig liberalisiert sein. 2004 hat die EU 1,4 Mrd. Euro für Zuckermarktordnung ausgegeben, den Großteil für Exportstützungen. (APA)

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