Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gestiegen

12. Juli 2005, 13:57
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Firmenpleiten stiegen um 15 Prozent, Privat­konkurse um 18 Prozent - Kreditschutz­ver­band erwartet für heuer 7.000 Firmenpleiten

Wien - Sowohl die Unternehmensinsolvenzen als auch die Privatkonkurse sind in Österreich im ersten Halbjahr 2005 deutlich gestiegen. Die Zahl der Firmenpleiten stieg um 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3.566, die Zahl der Privatkonkurse wuchs sogar um 17,9 Prozent auf 3.228.

"Der Insolvenzverlauf des ersten Halbjahrs sieht leider nicht sehr positiv aus", sagte der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV), Johannes Nejedlik, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

30 Firmenpleiten pro Bankarbeitstag

Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2005 werden vom KSV rund 7.000 Unternehmensinsolvenzen erwartet, ein Firmensterben mit einer Rate von fast 30 Firmen pro Bankarbeitstag. Im ersten Halbjahr 2005 lagen die eröffneten Insolvenzverfahren bei Unternehmen um 5,1 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, die mangels Masse abgewiesenen Konkurse um 24,2 Prozent darüber.

Die Zahl der von den Firmenpleiten betroffenen Dienstnehmer ist mit 10.500 etwa gleich geblieben, die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten sind um 15,3 Prozent von 1,169 Mrd. Euro auf 990 Mio. Euro gesunken.

Zahl der Pleiten in Vorarlberg verdoppelt

Der Zuwachs bei den Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2005 ist laut KSV auf die Bundesländer Vorarlberg (+ 53 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum), Niederösterreich (+ 35 Prozent) und Tirol (+ 32 Prozent) zurückzuführen.

Lediglich in Oberösterreich (- 2 Prozent) war ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. In Wien (+ 5 Prozent) wurde bei der Zahl der Firmenpleiten mit 1.037 Fällen im Halbjahr die 1.000-er Marke überschritten.

"Unternehmensbezogenen Dienstleistungen"

Nach Branchen gereiht waren die "Unternehmensbezogenen Dienstleistungen" Spitzenreiter mit 559 Verfahren, knapp gefolgt von der Bauwirtschaft mit 543 Verfahren und dem Gastgewerbe mit ebenfalls 543 Verfahren.

Gereiht nach der Summe der geschätzten Passiva hingegen führt die Bauwirtschaft mit 198,1 Mio. Euro vor Maschinen und Metall mit 128,3 Mio. Euro und den Unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit 107,4 Mio. Euro.

Die größte Pleiten waren mandl+eckl Stahl und Metallbau GmbH in Pasching (OÖ) mit 34,2 Mio. Euro, gefolgt von der Thermax-Brandschutzbauteile GmbH in Greinsfurth (NÖ) und der Power Horse International Handels GmbH in St. Veit/Glan (Kärnten) sowie Guttmann Torsysteme GmbH in Güssing (B) mit jeweils 16 Mio. Euro.

Sechs bis neun Monate hinter Konjunkturentwicklung

"Die Insolvenzen laufen der allgemeinen Konjunkturentwicklung etwa sechs bis neun Monate hinterher", erläuterte KSV-Geschäftsführer Nejedlik den Anstieg bei den Firmenpleiten. Das Exportwachstum des Vorjahrs habe sich offenbar für die kleinen und mittleren Unternehmen nicht insolvenzmindernd ausgewirkt.

Für die Zukunft erwartet Nejedlik eine positive Auswirkung des im Vergleich mit dem Euro-Raum höheren erwarteten Wirtschaftswachstums in Österreich auf die Insolvenzstatistik: "Es kann eigentlich nur noch besser werden".

Deutlich mehr Privatkonkurse

Bei den Privatkonkursen stiegen die eröffneten Insolvenzen um 13,3 Prozent, die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge sogar um 41,5 Prozent. Die Gesamtinsolvenzen von Privaten erreichten im ersten Halbjahr 3.228, ein Anstieg von 17,9 Prozent.

Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten stiegen um 14,6 Prozent auf 360 Mio. Euro. Gereiht nach Bundesländern führt Wien mit 679 Fällen vor Oberösterreich mit 591 und Niederösterreich mit 373.

"Beginn einer Sanierung"

Für den Leiter der Insolvenzabteilung im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, ist der Anstieg der Privatkonkurse kein volkswirtschaftlich pessimistisches Signal, sondern bedeute angesichts von mindestens 100.000 überschuldeten Haushalten für die Betroffenen den "Beginn einer Sanierung".

Rund 90 Prozent der insolventen Privaten würden nach der Sieben-Jahres-Abschöpfungsperiode schuldenfrei. Da zahlungsunfähige Privatschuldner innerhalb von drei Jahren wegen Verzugszinsen, Gebühren für Exekutionsverfahren usw. mit einer Verdoppelung ihrer Schulden rechnen müssten rate er ihnen zum Privatkonkurs. Ein Konkurs sei auch keine Schande, so Kantner: "Es kann jeden treffen. Die Wirtschaft ist wesentlich härter geworden".

Geringere IAG-Beiträge gefordert

Von der Bundesregierung fordert der KSV eine Senkung der Beiträge zum Insolvenzausfallsgeldfonds (IAG), der derzeit bei 0,7 Prozent der Lohnsumme liege, als Beitrag zur angestrebten Senkung der Lohnnebenkosten.

Auch bei einer Halbierung des Beitrags sei der Fond nach Berechnungen immer noch positiv, führte Kantner aus. Der seit dem Jahr 2000 positiv bilanzierende Fonds werde von der Regierung für zweckfremde Entnahmen benutzt. (APA)

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