"Konsument"-Test: Handys zu wenig "seniorentauglich"

11. Juli 2005, 14:23
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Die ältere Generation wünscht sich leichte Bedienbarkeit, gut lesbare Schrift und eine verständliche Anleitung

Die ältere Generation ist Studien zufolge heute mehr denn je an neuen Technologien interessiert. Das gilt auch für die Mobiltelefonie. Verbraucherschützer kritisieren jetzt, dass sich die meisten Handy-Hersteller und viele Netzanbieter noch nicht auf diese Zielgruppe eingestellt haben. Kein einziges der vom Magazin "Konsument" getesteten Modelle habe sich als besonders "seniorentauglich" hervorgetan.

Neun Handys großer Hersteller ausprobiert

Neun Testpersonen im Alter von 60 bis 70 Jahren haben insgesamt neun Handys großer Hersteller ausprobiert, die von den Unternehmen selbst als für Senioren geeignet eingestuft wurden. Eine zehnte Testerin (77) warf schon nach dem zweiten Modell resigniert das Handtuch.

Kein "Sehr gut"

Im Gesamturteil erreichte keines der untersuchten Geräte ein "Sehr gut". Fünf Modelle wurden als "gut" bewertet, vier als "durchschnittlich". Bestanden habe immerhin alle, "da die Hauptfunktion - das Telefonieren - mit jedem Gerät gelingt", sagte Franz Floss, Bereichsleiter Untersuchungen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

kritik an Handbüchern

"Größter Schwachpunkt der Geräte sind ihre Handbücher: Sie strotzen vor englischen Fachbegriffen, unterlassen wichtige Bedienungsschritte und widersprechen sich bei Anleitung und Display", meinte Floss. So heißt es in der Anleitung Kurzwahl, am Handy Schnellwahl, hier Terminplaner, dort Organizer.

Fast durch die Bank kritisierten die Tester die Unübersichtlichkeit der Displays. Was die Senioren am meisten ärgerte: Dass jedes einzelne Handy anders zu handhaben ist. Sie wünschen sich Telefone mit ausreichend großer Pfeiltastatur statt Joystick, gute Lesbarkeit am Display und eine übersichtliche Anordnung der Menüfunktionen sowie eine verständliche Kurzfassung der Bedienungsanleitung.

"Weniger ist mehr"

Generell finden die Senioren "weniger ist mehr". Gerade weil sie teure Zusatzfunktionen wie Internetverbindung, Nachrichtendienste, Foto und Video kaum nutzen, würden sie vor allem von den Netzbetreibern "nicht ausreichend berücksichtigt", während die Hersteller doch langsam Interesse an der größer werdenden Zielgruppe zeigten, sagte Floss.

Verzicht

Dabei empfinden nicht nur ältere Menschen das vielfältige Angebot an Funktionen am Handy als verzichtbar: Einer Studie des Verbands der deutschen Internetwirtschaft, eco-Forum, zufolge wünschen sich Konsumenten quer durch alle Alters- und Bildungsschichten eine einfachere Bedienung der Mobiltelefone. (APA)

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