Zweiter Fall von Rinderwahn in Österreich bestätigt

2. Juli 2005, 19:38
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Milchkuh stammt vom Kleinwalsertal - keine Fleischteile in die Nahrungskette gelangt - mit Grafik

Wien - In Österreich ist nach 2001 ein zweiter BSE-Fall aufgetreten. Das infizierte Rind stammt von einem Viehbauern aus dem Kleinwalsertal in Vorarlberg.

Wie DER STANDARD aus dem Landwirtschaftsministerium erfahren hat, soll es sich dabei um den ersten originären Fall handeln, ein Tier das in Österreich aufgezogen wurde und nicht aus dem Ausland importiert wurde. Wie Gesundheitsministerin Rauch-Kallat und Umweltminister Pröll am Dienstagabend in Wien bekanntgaben, handelt es sich um eine Milchkuh aus einem Bergbauernbetrieb im Vorarlberger Kleinwalsertal. "Es besteht absolut keine Gefahr für die Konsumenten", hieß es, da keine Teile des Tieres in die Nahrungskette gelangt seien.

Keine Fleischteile gelangten in Nahrungskette

Weder seien Teile des Tieres auf irgendeinem Weg in die Nahrungskette gelangt noch seien sie für diese bestimmt gewesen. Der Hintergrund: Der Kadaver des im Mai plötzlich verendeten Tiers wurde nach Deutschland in eine Tierverbrennungsanlage gebracht. Dort wurde ein routinemäßiger BSE-Test durchgeführt, der einen Verdachtsfall nahe gelegt hat, zwei weitere Schnelltests kamen zu dem selben Resultat. Danach wurden die österreichischen Behörden am 17. Juni informiert. Laut Rauch-Kallat wurden unverzüglich weitere Untersuchungen zum Abgleichen der Ergebnisse vollzogen.

Hof wurde geschlossen

Der betroffene Hof - der von den Ministern nicht näher definiert wurde - wurde bereits geschlossen. Die sechs verbleibenden Rinder wurden am Dienstag getötet und zu Testzwecken zu AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) transportiert. Erste Ergebnisse sollen am Mittwoch vorliegen. Wie sich das Tier infiziert hat, ist noch ungeklärt. Auf dem Hof soll kein Tiermehl oder anderes Risikomaterial verfüttert worden sein.

Wie Rauch-Kallat sieht auch die EU-Kommission in einer ersten Reaktion "keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit", wie ein Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Kyprianou sagte. "Dass das Tier getestet und vernichtet worden ist, zeigt, dass das gesetzliche Rahmenwerk der EU im Kampf gegen BSE funktioniert", so der Sprecher. "Das System funktioniert", meinte auch Pröll und betonte, dass Österreich trotz des mittlerweile zweiten bestätigten BSE-Falles bei der Nahrungssicherheit im absoluten europäischen Spitzenfeld liege.

2001 wurde falsch etikettiert

Die Aufdeckung des Falles von 2001 hatte zu einem Betrugsprozess gegen den Betreiber des Schlachthofes Martinsberg (Bezirk Zwettl) geführt. Dem Unternehmer wurde vorgeworfen, importiertes Fleisch aus Osteuropa umdeklariert und als österreichische Qualitätsware verkauft zu haben.

Im November 2002 wurde der Unternehmer wegen gewerbsmäßigen Betruges zu zwei Jahren Freiheitsstrafe - davon 16 Monate bedingt - verurteilt. Die Anklage hatte auf schweren gewerbsmäßigen Betrug gelautet. Da sich aber zahlreiche Kunden im Zeugenstand entgegen ihren ursprünglichen Aussagen nicht mehr getäuscht fühlten, blieben von den angeklagten 670.000 Kilogramm nur mehr knapp 26.000 übrig. Der OGH (Oberster Gerichtshof in Wien) leistete der Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes Folge, was schließlich zur Neuauflage des Prozesses 2004 führte, der immer noch nicht beendet wurde. (red/APA)

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