Die Frauen-Politik-Behinderer

8. Juli 2005, 13:53
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UNO-Frauengruppe: Internationale "Allianz wertkonservativer Gruppierungen" hat kein Interesse an Fortschritten

Wien - Eine "sehr langsame positive Entwicklung" sieht die Präsidentin der VIC Women's Group (Frauengruppe in der Wiener UNO-City), Liselotte Waldheim-Natural, in der internationalen Frauenpolitik. Gleichzeitig kritisierte sie am Montagabend bei einer Diskussion zur UNO-Frauenpolitik, es würden kaum Mittel zur Verfügung gestellt, um die festgeschriebenen Normen durchzusetzen. Der Mangel an finanziellen Ressourcen gelte sowohl international als auch im UNO-Sekretariat selbst, sagte sie.

Angesichts der aktuellen Situation auf internationaler Ebene dürfte es derzeit kaum möglich sein, weitere Normen in der Frauenpolitik festzulegen, sagte Irene Freudenschuss-Reichl vom österreichischen Außenministerium. Es gebe eine "Allianz von wertkonservativen Gruppierungen", die kein Interesse an Fortschritten habe.

Peking 05

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeiten der UN-Frauenrechtskommission im März 2005, die vor zehn Jahren aufgestellten Ziele der Weltfrauenkonferenz in Peking in einer Abschlusserklärung zu bekräftigen. Die USA und einige andere Staaten hatten die Verabschiedung wegen eines Streits um Abtreibungen zunächst blockiert. "Es käme nun einmal darauf an, diese Gruppierungen anzugehen und sich nicht durch die Konsensregel knechten zu lassen."

Frauen und Gesundheit

Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) bekräftigte in ihrer Ansprache, sie wolle das Thema Frauengesundheit während der österreichischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 zum Schwerpunkt machen. Ein besonderes Augenmerk gelte der "traditionsbedingten" Gewalt gegen Frauen, wie etwa Zwangshochzeiten, weibliche Genitalverstümmelung und Ehrenmorde, die durch Einwanderung auch in Europa zum Problem geworden seien. Die Ministerin strebt europaweite Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Gewalt an.

Selbst die UNO hinkt nach

Waldheim-Natural führte aus, dass die UNO selbst von vielen gesetzen Zielen weit entfernt sei. Etwa von dem Vorhaben, bis zum Jahr 2000 jede zweite Stelle in der UNO mit einer Frau zu besetzen. Ende des vergangenen Jahres seien 37,1 Prozent der Funktionäre Frauen gewesen, auf der Führungsebene 28,8 Prozent. Sieben von insgesamt 40 Untergeneralsekretären seien weiblich. "Es fehlt der Organisation an politischem Willen, an größerem Engagement seitens der Beamten." Und erst vor kurzem sei es ihr gelungen, für die Frauengruppe ein - unverkabeltes - Büro zu ergattern. (APA)

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