Hoteliers weichen auf Simulatoren aus

7. Juli 2005, 13:26
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Je steiler die Landschaft, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich auch noch ein Golfplatz ausgeht

Gegen Österreichs Westen hin tut sich der gepflegte und flache Rasen verständlicherweise immer schwerer. Während er sich im Falle Niederösterreichs mittlerweile 39-mal zu einem ordentlichen Golfplatz ausrollen ließ, muss Tirol ob seiner topografischen Eigenarten mit nur 16 beim Österreichischen Golfclub eingetragenen Golfplätzen auskommen. Landschaftlich zählen die Plätze im Westen freilich zu den schönsten Österreichs, denn dort, wo sich zwischen den Dreitausendern noch ein bespielbares Platzerl ausging - wie etwa in Ellmau am Wilden Kaiser -, finden Golfspieler eine Kulisse vor, die dem eigenen gelungenen Abschlag eine irritierende Konkurrenz entgegenstellt. Wer die 5600 €Einschreibgebühr und den Jahres-Mitgliedsbeitrag von 1100 € zahlt, hat allerdings die Möglichkeit, so lange danebenzuhauen, bis er sich an die ansehnliche Dauerpräsenz des Berges gewöhnt hat.

Im westlichsten Westen allerdings hat man sich damit abgefunden, dass die eigenen Täler zu schmal sind, um auch noch neun Löcher hineinpflanzen zu können, und so suchte man nach Alternativen: In Galtür etwa versucht man sich mit den Bergen zu arrangieren und spielt halt, wo's geht, im Winter am Gletscher und im Spätsommer einmal im Jahr zur Gaudi das mittlerweile legendäre Cross-Country-Turnier quasi von Alm zu Alm. Wenn man ein Hotel in Hochgurgl in 2.200 Meter Seehöhe besitzt wie Herr Riml, bleibt man entweder beim Skifahren, zumal das 4-Sterne-Haus direkt an der Piste liegt; oder man entscheidet sich für den regional bewährten Justamentstandpunkt und holt sich 38 der schönsten Golfplätze der Welt ins eigene Haus. Das Ergebnis ist ein Ski- und Golfresort, das die Sommersaison einfach auslässt, denn die mit über 700 m² größte Indoor-Golfanlage der Alpen ist gut geeignet, um im Winter den Golfsport zu erlernen oder zu perfektionieren.

Qualitätssimulanten

Der Fullswing Golfsimulator, der auch auf Passagierschiffen wie der "Queen Mary II" installiert ist, erlaubt ein rund einstündiges Spiel auf projizierten Plätzen wie dem St. Andrews Links oder dem Pebble Beach Links. Unter der Anleitung eines Professional eignet sich die Anlage mit drei Simulatoren, einem Videoanalyse-Platz, vier Driving-Ranges und einem großzügigen Putting-Green dazu, bereits im Winter die Platzreife zu erlangen, damit im Sommer dann echte Fairways umgeackert werden dürfen.

Während man sich im Hotel Riml die Greens gerade einmal die erste Saison ins Haus geholt hat, forscht man vonseiten der "Simulanten" stetig weiter. Golfzon, ein Anbieter, der seit letztem Jahr in Europa präsent ist, will das Spielgefühl am Simulator noch weiter an die Realität heranrücken. Die 3-D-Projektion ist an eine bewegliche Abschlagplatte gekoppelt, die sich mittels Hydraulik an die Bodengegebenheiten des Platzes anpasst und so auch die tatsächlichen Neigungen simulieren kann. Damit den Golfern nach einer Saison nicht urfad wird, kann die Software jährlich mit neuen Plätzen "upgedated" werden. In Österreich versuche sich die Firma noch weitreichender zu etablieren, so Christian Jeschke, der Vertriebsleiter für Europa, in Deutschland sei die Nachfrage bereits anhaltend hoch. Im Hotel Alpenpark in Seefeld steht bereits ein Exemplar, das auch von Nicht-Hotelgästen bespielt werden kann. Für rund 50.000 € kann man sich das 30 m² große Golfplatzerl selbst in jedes noch so enge Tiroler Alpental holen. (saum, DER STANDARD Printausgabe, 21 . Juni 2005)

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    Schaut echt aus, fühlt sich auch immer echter an: das Golfspiel am Simulator.

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