"Offene" Office-Formate des Softwareriesen im Schussfeld der Kritik

4. Juli 2005, 10:44
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Nicht mit Open Source Lizenz GPL kompatibel - Allerdings Bedenken ob Microsoft überhaupt Lizenzansprüche hat

Die vor kurzem groß als "Öffnung" von Microsoft angekündigten neuen Office-Dateiformate dürften nicht ganz so "offen" sein, wie zuerst gedacht. Eine kleine Klausel in den Lizenzbestimmungen des Softwareriesen verhindert nämlich, dass es zu einem Einsatz in Software, die unter der weit verbreiteten Open Source-Lizenz GNU General Public License (GPL) steht, kommen kann, dies berichtet eweek.

Kritik

Konkret kritisiert Richard Stallman, Präsident der Free Software Foundation und "Erfinder" der GPL, dass Microsofts Lizenz Modifikationen explizit ausschließe, eine der Vorraussetzungen der GPL ist aber, dass all der aufgenommene Code frei modifizierbar sei. Zusätzlich erhält Microsofts Lizenz eine "Werbeklausel", die verlangt, dass Microsoft als Urheber explizit angegeben wird.

Pragmatismus

Bei Microsoft selbst zeigt man sich von den Vorwürfen wenig beeindruckt, man habe schlicht versucht eine Lizenz zu verwenden, die allen den Einsatz der für Office 12 geplanten Dateiformate erlaube, ohne dass sie ihre Änderungen zurückgeben müssen. Es könne schon sein, dass dies nicht mit der GPL vereinbar sei, mit anderen Open Source-Lizenzen gebe es aber keine Probleme, so Jean Paoli, Entwickler des auf XML basierenden Dateiformats bei Microsoft.

Zweifelhaft

Unterdessen gibt es aber auch Zweifel daran, ob die ganze Diskussion in der Realität überhaupt irgendeine Bedeutung haben wird, denn wenn, wie es Dan Ravicher von der Public Patent Foundation formuliert, es nichts gebe, worauf Microsoft konkret einen rechtlichen Anspruch habe, gebe es auch keine Notwendigkeit eine Lizenz zu erwerben und sich an diese zu halten. Microsoft behaupte zwar, dass es im Zusammenhang mit den neuen Office-Formaten einige Patente halte, es sei aber unklar, welche das sein sollen. Außerdem gebe es schon zahlreiche auf XML basierende Dateiformate, es sollte also eine leichtes sein "Prior Art" nachzuweisen, womit die Patente des Softwareriesen ungültig wären. (red)

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