Palästinenser dürfen Flughafen Gaza wiedereröffnen

23. Juni 2005, 09:56
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Israels Premier Sharon sagt Palästinenser­präsident Abbas bei Gipfel in Jerusalem Übergabe weiterer Städte zu

Jerusalem - Israel erlaubt den Palästinensern, ihren vor vier Jahren zerstörten Flughafen in der Stadt Gaza wieder in Betrieb zu nehmen. Ministerpräsident Ariel Sharon erteilte dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen) bei einem Gipfelgespräch am Dienstag die Erlaubnis, die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung des Flughafens einzuleiten, wie der israelische Rundfunk am Dienstag berichtete.

Außerdem stellte Sharon den Palästinensern in Aussicht, zwei weitere Städte im Westjordanland innerhalb von zwei Wochen zu räumen, wie nach dem mehr als zweistündigen Gespräch in Jerusalem verlautete. Als Bedingung wurde jedoch genannt, dass Abbas die militanten Kräfte in den eigenen Reihen unter Kontrolle bringt.

Konkret sagte Sharon eine Übergabe der Sicherheitskontrolle über die Städte Kalkilya und Bethlehem im Westjordanland zu. Zudem werde Israel 26.000 palästinensischen Arbeitern und 13.000 Händlern eine Arbeitsgenehmigung für Israel geben.

Korei: "Treffen entsprach nicht unseren Erwartungen"

Trotz einiger Zugeständnisse Israels haben sich die Palästinenser enttäuscht über ihr Gipfeltreffen mit Ministerpräsident Ariel Sharon gezeigt. "Das war ein schwieriges Treffen, es entsprach nicht unseren Erwartungen", sagte der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei (Abu Ala) nach der Rückkehr in Ramallah.

Verhaftungen

Kurze Zeit vor dem Treffen nahmen israelische Soldaten 52 mutmaßliche Mitglieder der Organisation Islamischer Dschihad fest. Der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz erklärte, die Streitkräfte hätten gehandelt, weil die palästinensischen Behörden nichts unternommen hätten. Da sich der Islamische Jihad nicht an die Vereinbarungen des Waffenstillstands gehalten habe, habe es keine andere Wahl gegeben, sagte Mofaz.

Premiere

Das Treffen zwischen Sharon und Abbas in Jerusalem ist eine Premiere: Noch nie gab es ein israelisch-palästinensisches Gipfeltreffen in der von beiden Seiten als Hauptstadt beanspruchten Stadt. Sharon wollte Abbas in seiner Residenz empfangen.

Abbas' im November 2004 gestorbener Vorgänger Yasser Arafat wurde von Israel hingegen der Zugang zur Heiligen Stadt verwehrt. Die israelische Regierung betrachtet ganz Jerusalem als Israels Hauptstadt, während die Palästinenser Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen unabhängigen Staates beanspruchen.

Abbas und Sharon trafen sich bereits bei früheren Gelegenheiten in der Heiligen Stadt, aber noch nicht seit Abbas' Amtsantritt als Palästinenserpräsident im Jänner. Im Februar hatten die beiden Politiker ihr erstes Gipfeltreffen auf neutralem Terrain im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh abgehalten.

Tempelberg

Besonders der Tempelberg in Jerusalem ist immer wieder Auslöser für blutige Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern. Juden wie Moslems ist der geschichtsträchtige Berg heilig, ihre Kultstätten liegen nur wenige Schritte auseinander. Salomon, der Sohn König Davids, ließ 960 vor Christus einen Tempel auf dem Berg bauen. Übrig geblieben ist die westliche Stützmauer des Tempelbergs - die Klagemauer, das wichtigste Heiligtum der Juden.

Für die Moslems ist der Tempelberg das drittwichtigste Heiligtum: Hier steht der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, den Kalif Abdel Malik um 690 erbauen ließ. In einem Reliquienschrein sollen sich Barthaare des Propheten Mohammed befinden. Am südlichen Rand des Platzes steht die Al-Aksa-Moschee. (APA/Reuters/AP/dpa/red)

  • Das Treffen zwischen Sharon und Abbas in Jerusalem ist eine Premiere.
    foto: ap/amos ben gersom/government press office/ho

    Das Treffen zwischen Sharon und Abbas in Jerusalem ist eine Premiere.

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