Pharmaindustrie setzt auf Arbeitsteilung

12. Juli 2005, 15:15
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Österreichs Pharma­unternehmen könnten in die internationale Liga aufsteigen, indem sie nur Teile der Wert­schöpf­ungskette abdecken, meint Sanochemia-Chef Böckmann

Philadelphia - Oft werde beklagt, dass Österreich kein Staat mit ertragsstarken internationalen Pharmakonzernen ist. Doch mit etwas Unterstützung, neuen Ideen und pragmatischen Lösungen ließe sich durchaus eine Pharmaszene schaffen.

"In Österreich ist durchaus Platz für eine Pharmaindustrie, die neue Ideen bringt und Teile der Wertschöpfung abdeckt", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Sanochemia Pharmazeutika AG, Josef Böckmann. bei der weltgrößten Biotech-Konferenz, der Bio 2005, die in Philadelphia stattfindet.

Sanochemia selbst hat mit der Entwicklung und Synthetisierung des Schneeglöckchen-Inhaltsstoffes Galantamin als Alzheimer-Medikament (Johnson & Johnson) gepunktet. Zwar vergebe das Unternehmen "zu einem Erfolg versprechenden Zeitpunkt Lizenzen", bleibe aber immer Produzent der Inhaltsstoffe und Qualitätskontrolleur, erklärte Böckmann die Strategie des Unternehmens.

Outsourcing

Bei der Entwicklung von Substanzen greife man aber durchaus auch auf Outsourcing zurück: "Man braucht nicht 700 Mio. US-Dollar, um ein neues Medikament zu entwickeln. Was man nicht im Haus hat, kann man auswärts durchführen lassen. Das ist kostengünstig", so der Sanochemia-Chef.

Die Sanochemia AG hofft für das Jahr 2005 auf einen Umsatz von 30 Mio. Euro. Einen Wachstumsschub soll auch die Substanz Tolperison in der Form von Filmtabletten bringen. Böckmann: "Tolperison ist ein Muskelrelaxans. Es war in den Ostblockländern das erfolgreichste Medikament dieser Art. In Westeuropa hatte es das nie gegeben."

Im Jahr 2003 habe das Medikament in Europa bereits 32,7 Millionen Euro Umsatz gebracht. Allein in Deutschland sind die Verkäufe von 2002 auf 2003 um 45 Prozent angestiegen.

Der Weg dorthin: Die Sanochemia verbesserte das im Prinzip alte Medikament. Durch die Erhöhung der enthaltenen Wirkstoffdosis müssen die Patienten nur noch zweimal am Tag je eine Tablette einnehmen; früher waren es neun.

Die geschäftlichen Ziele, die Sanochemia damit verbinde, bezifferte Böckmann so: "Wir hoffen mit dem neuen Medikament auf einen zweistelligen Marktanteil zu kommen." (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2005)

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    Outsourcing und Kooperationen könnten Österreichs Pharmakonzerne künftig den nötigen Umsatzkick versetzen.

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