"Die Region" als Bühne der Entwicklung

Redaktion
20. Juni 2005, 20:25
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    foto: apa/neumayr

Nachhaltige Entwicklung durch Regionalförder­programme: Umwelt­bezogene Aspekte aber immer noch nicht ausreichend integriert

Regionen sind in den letzten Jahren für die Politikgestaltung innerhalb der Europäischen Union immer wichtiger geworden. Zum einen sind Regionen eine wichtige Ebene für politische Umsetzung (Umsetzungsverantwortung, Gestaltungspotenziale, "Bürgernähe"). Zum anderen sind sie eine wichtige geographische Einheit innerhalb ökologischer Systeme. Für die Umsetzung der Ziele von nachhaltiger Entwicklung sind Regionen eine wichtige Einheit hinsichtlich Ressourcenkonsum, Abfallwirtschaft, natürlicher Lebensräume, Wassermanagement, etc. Das heißt für eine Reihe von ökologischen Herausforderungen sind Regionen eine wichtige geographische Bezugsgröße, die besser geeignet scheint Lösungen zu erreichen, als dies die supranationale, nationale oder lokale Ebene ist. Denn auf der regionalen Ebene finden Handlungen, die zur Umsetzung von politischen Konzepten führen - wie auch jenes der nachhaltigen Entwicklung - tatsächlich erst statt.

Entwicklungsrichtung(en)

Das Monatsthema Juni auf Nachhaltigkeit.at untersucht, nach einer allgemeinen Einführung zu nachhaltiger Entwicklung auf regionaler Ebene, die Rolle von EU-Regionalentwicklungs­programmen (Strukturföder­programmen) im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsaspekte. Die in den einzelnen Programmen eingesetzten Gelder haben einen sehr großen Einfluss auf die Art der regionalen Entwicklung und damit, ob diese Entwicklung nachhaltige Wege einschlagen kann oder nicht.

Dieser Einfluss ergibt sich einerseits durch die Zielsetzungen und Ausgestaltungen der einzelnen Programme, vor allem aber durch die Gestaltung der konkret geförderten Projekte. Um den Anforderungen nachhaltiger Regionalentwicklung zu entsprechen und diese zu fördern, sollten die entsprechenden Programme nicht nur ökonomische Zielsetzungen beinhalten, sondern auch auf ökologische, soziale und kulturelle Fragestellungen eingehen und die Wechselwirkungen zwischen allen diesen Bereichen aus einer langfristigen Perspektive berücksichtigen.

URBAN und LEADER

Grundsätzlich sind die Strukturfonds der Europäischen Union auf wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Ausgleich in den rückständigen Regionen Europas bzw. in Regionen mit Strukturproblemen ausgerichtet. Umweltbezogene Aspekte sind in den gegenwärtigen Strukturfondsregelungen (2000-2006) als sogenannte horizontale Leitmotive miteinbezogen. Zwei Gemeinschaftsinitiativen (URBAN und LEADER) haben ausdrücklich Nachhaltige Entwicklung als eine wesentliche Zielsetzung in ihren Programmen enthalten. In den drei Zielgebieten sowie in den übrigen Gemeinschaftsinitiativen, sind Umweltaspekte mit einzubeziehen, stehen jedoch nicht im Vordergrund.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen daher, dass die Strukturfonds insgesamt zu wenig integrierte Projekte für Nachhaltige Entwicklung fördern konnten. Bei vielen Projekten werden umweltbezogene Aspekte nicht ausreichend bzw. nicht als wichtiger integraler Bestandteil der Gesamtplanung betrachtet. Dennoch – und hier muss auf eine relative Betrachtungsweise verwiesen werden – hat Nachhaltige Entwicklung in den letzten Jahren an Bedeutung in den Strukturfondsprogrammen und –projekten gewonnen. Als wichtigste Entwicklung ist jedoch die Erweiterung der Kapazitäten aller Akteure auf regionaler Ebene ("capacity-building") zu bewerten. Die Erarbeitung von Programmdokumenten sowie die Umsetzung von Projekten haben das Wissen über und die Möglichkeiten für Nachhaltige Entwicklung erweitert.

"SUP"

Der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Neuregelung der Strukturfonds (2007-2013) inkludiert Nachhaltige Entwicklung wiederum als wichtige Zielsetzung. Ein sehr wesentlicher Aspekt aus heutiger Sicht ist dabei die Durchführung einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) bei allen Strukturfondsprogrammen. Dies soll sicherstellen, dass Umweltbelange möglichst früh in alle Phasen der Programmentwicklung integriert werden.

Wie und ob europäische Regionalförder- programme zu einer nachhaltigen Entwicklung von Regionen beitragen können bzw. können werden ist Thema des Monats Juni 2005 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Der Autor:

Gerald Berger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Interdisziplinären Forschungszentrum Sozial- wissenschaften (ICCR) in Wien

Direkt-Link zum Monatsthema 6/2005
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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4 Postings

Hübsches Photo.

Unsinn!

Geldverschwendung!
Warum nicht wieder europäische Urwälder wachsen lassen statt teurer Bauernförderung?
Naturschützer(innen) fordern ja immer Urwälder,aber leider nur in den Entwicklungsländern.
Hier könnte dann Europa glaubwürdiger werden,wenn auch hier die Nutzung der Natur verboten wird und nicht nur in Brasilien,Borneo usw!
Sofortiger Exportstopp für Holz usw.!
Bären,Wölfe,Hirsche usw.benötigen große Biotope oder doch?

Armin vom Berg der Freude




unglaublich

es erschreckt mich, in letzter zeit herrn kern immer öfter (zumindest teilweise) recht geben zu müssen - wie auch hier.

allerdings können auch (von bauern gepflegte) kulturlandschaften einen wertvollen beitrag darstellen ...

..du Armin von der Eiche

Bist du dir sicher im Urwald leben zu wollen. Hast du noch die alten Instinkte?! Dann zurück auf die Bäume. Nur ein Urwald wird es nicht mehr, bestenfalls etwas ähnliches. Die Forstwirtschaft macht aus allem Wald - siehe Steiermark 80 % Wald.
Ich bin mehr der Savannentyp, ich brauch etwas mehr Sonne und Landschaft. Und essen will auch etwas anderes als Tannenzapfen und Bucheggern und Eicheln.

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