Einstiger Dreikäsehoch reift jetzt zum Global Player

25. Oktober 2006, 17:02
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Der Käseproduzent Woerle ist die älteste Käserei Österreichs - Zukunftschancen sieht der Salzburger Familienbetrieb vor allem auf den asiatischen Märkten

Henndorf/Wien - Im Hinduismus gelten Kühe bekanntlich als heilige Tiere und sterben nach einem womöglich glücklichen Leben eines natürlichen Todes. "Happy Cow" nennt der Flachgauer Käseproduzent Gerhard Woerle seine Schmelzkäseprodukte, mit denen er die Märkte in Sri Lanka und Indien beliefert.

In Sri Lanka hat es der heimische Familienbetrieb mit Eckerlkäse und Toastscheiben in den letzten Jahren bis zur Marktführerschaft gebracht. Nun ist Südasien zwar kein klassischer Markt für Käse, doch der Konsum steigt. "Von einem Kilo pro Kopf im Jahr vor etwa zwanzig Jahren auf mittlerweile vier Kilo", erklärt Woerle.

Die Tsunami-Katastrophe vom letzten Dezember hätte man wirtschaftlich bereits verkraftet, sagt Woerle. "Wir haben im Jänner und Februar Einbrüche gehabt, uns aber jetzt stabilisiert."

Nach Japan verkauft Österreichs älteste Käserei Exoten wie Frischkäse mit Früchten, nach Libyen oder in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen Schmelzkäseprodukte.

Nischen-Märkte

"Wir haben bereits vor 30 Jahren begonnen, uns Nischen im Ausland zu suchen, deshalb stehen wir heute ganz gut da", sagt Woerle. Mit einem Exportanteil von 40 Prozent werden weltweit 60 Länder mit heimischen Käseprodukten beliefert.

In Österreich hat das Traditionsunternehmen nach Eigenangaben einen Marktanteil von 15,5 Prozent und ist nach Schärdinger die Nummer zwei.

Johann Baptist Woerle gründete im Jahre 1889 eine kleine Käserei in Henndorf. In nunmehr vierter Generation produziert der einstige Dreikäsehoch 26.000 Tonnen Käse im Jahr. Mit 240 Mitarbeitern wurde 2004 ein Umsatz von 84 Mio. Euro erwirtschaftet, heuer werden 87 Mio. Euro angepeilt.

Global Player

Im Fernen Osten und in Indien will sich die Privatkäserei künftig weiter als Global Player behaupten: "Wir beobachten genau den chinesischen Markt. In Indien sind wir bereits seit zwei Jahren. Das sind bevölkerungsreiche Länder, dort gibt es Chancen", so Woerle.

In den neuen EU-Ländern liegt für Woerle wenig Potenzial. "In Tschechien, Slowenien und Ungarn sind wir bereits seit Ende der 90er-Jahre, aber dort greifen die Konsumenten irgendwann lieber wieder auf lokale Produkte zurück, die dort gut etabliert sind." (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2005)

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Woerle
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    foto: www.woerle.at
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