Aufgepasst im Kindergarten

3. Juli 2005, 21:29
9 Postings

Wien will verbindliche Bildungspläne für die Vorschulzeit erarbeiten und mit individueller Förderung den Schuleintritt erleichtern

...Die Wiener ÖVP fordert indessen mehr Kinderbetreuungsangebote und eine Abschaffung der Zuverdienstgrenze beim Kindergeld.

Wien - Der Kindergarten werde immer noch oft als reine Betreuungsstation wahrgenommen, wo man den Nachwuchs abgibt, damit er beaufsichtigt werde, sieht Wiens Vizebürgerin Grete Laska (SP) die Dinge. Damit soll nun Schluss sein: Am Montag stellte Laska die Pläne der Stadt Wien für die Erarbeitung des österreichweit ersten Bildungsplans für Kindergärten vor. Nach den schlechten PISA-Ergebnissen (Österreichs Schüler lagen im OECD-Vergleich nur im Mittelfeld) müssten Konsequenzen im Bildungsbereich gezogen werden - und zwar schon im Vorschulalter.

Startschuss für dieses Vorhaben ist die Enquete "Bildung im Kindergarten", bei der heute Dienstag Wissenschafter, Experten und Pädagogen neue Bildungsstandards für das Vorschulalter zu diskutieren.

"Nahtstelle verengen"

"Die Nahtstelle zwischen Kindergarten und Schule muss viel enger werden", formuliert Laska das Ziel der Initiative. Die Bildungsinhalte im Kindergarten könnten jedoch nicht mit denen der Schule verglichen werden: Es gehe nicht darum, den Kindern Schreiben, Lesen oder Rechnen beizubringen. Die Förderung vor allem ihrer persönlichen Entwicklung ist angesagt. Soziales Verhalten, kommunikative und sprachliche Kompetenz sowie Kreativität und Bewegung sollen schon früh geübt werden.

Die Wiener ÖVP sieht hingegen Handlungsbedarf bei der Zahl der Kinderbetreuungsangebote. Stadtrat Johannes Hahn wirft der Stadtregierung vor, nur für 19 Prozent der unter Dreijährigen Krippenplätze zur Verfügung zu stellen. Was Laska nicht gelten lässt: Durch die Kooperation mit gemeinnützigen und privaten Einrichtung würde eine Versorgungsdichte von 50 Prozent erreicht. Die neuen Bildungsstandards sollen auch für die privaten Einrichtungen Gültigkeit haben.

Bei Geburt ansetzen
Pläne für die frühkindliche Bildung müssten schon bei der Geburt ansetzen und bis in die Grundschule führen, erklärte Erziehungswissenschafter Wassilios Fthenakis. Der wichtigste Grundsatz sei Differenzierung und individuelle Förderung der Kinder im Gegensatz zur "alten Philosophie" der Selektion.

Auch die Wiener Volkspartei macht sich derartige Gedanken über Kinderbetreuung, setzt aber auf die Unterstützung der Eltern. Hahn präsentierte eine neue Betreuungsform: "Flying Nannies" sollen sich um die Kinder kümmern, wenn der Kindergarten geschlossen ist.

Hahn forderte am Montag überdies einen ersatzlosen Wegfall der Zuverdienstgrenze beim Kinderbetreuungsgeld. Derzeit dürfen Väter oder Mütter, die Kindergeld beziehen, nicht mehr als 14.600 Euro im Jahr verdienen. Das schmälert laut Hahn die Aufstiegschancen insbesondere von Frauen.

Parteifreundin und VP-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat ist anderer Ansicht, sie lehnte entsprechende Vorschläge bereits Mitte Mai ab. (kri, DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.