Den See in der Nase

17. September 2007, 12:22
posten

Der Fährmann zwischen Österreich und Ungarn

Der Fährmann zwischen Österreich und Ungarn Mörbisch – Wenn Hermann Drescher von einer Reise nach Mörbisch zurückkommt, dann geht er erst einmal nicht nach Hause. „Ich fahr’ gleich an den See. Natürlich kontrolliere ich da alles. Aber eigentlich setzte ich mich auf den Steg. Und ich rieche den See.“

Immerhin lebt Hermann Drescher auch mit ihm und von ihm. Er betreibt eine von sieben Fährlinien, die den Neusiedler See queren, als einziger quert er auch die Grenze, viermal am Tag fährt er ins benachbarte Fertörákos hinüber, immer auf der Hut vor den Untiefen der Geschichte. „Wir dürfen da nur durch ein markiertes Tor, überall anders stehen die Piloten, die den Eisernen Vorhang markiert haben.“

1968 haben er und sein Schwiegervater – ein Fischer – mit zwei Booten begonnen. Jetzt fahren zehn, alle über Winter in der eigenen Werkstatt gebaut, drei davon sind in Ungarn, wo Hermann Drescher gleich nach der Wende Anker geworfen hat. Seit 1996 fährt er Fertörákos als Linie an, was vor allem zu den Mörbischer Operettenzeiten boomt, „viele scheuen die Grenz-Wartezeiten“.

Besondere Herausforderungen an den Kapitän stellt der See nicht. Wenn’s wirklich stürmt, „fahr’ ich ins Schilf und warte“. Hin und wieder fassen die Schiffe Grund, aber so lange die Schraube frei bleibt, sei das kein Problem.

Mittlerweile schickt sich schon der 16-jährige Sohn an, ins Fährwesen einzusteigen. Falls er das wirklich tut, wird der Pensionist Hermann Drescher wohl immer noch auf dem Steg sitzen. Und die Nasenflügel blähen. (wei, DER STANDARD, 21. Juni 2005)

Von Menschen, die am, vom, auf dem Wasser leben – und wie das Nass ihr Sein beeinflusst
  • Hermann Drescher betreibt die Fähre, die Mörbisch über den Neusiedler See mit seinem Nachbarort Fertörákos verbindet
    foto: weisgram

    Hermann Drescher betreibt die Fähre, die Mörbisch über den Neusiedler See mit seinem Nachbarort Fertörákos verbindet

Share if you care.