UNHCR: Österreich ist ein "Asylland mit Tradition"

4. Juli 2005, 17:15
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Fünf große Flüchtlingswellen seit 1945

Wien - Als "Asylland mit Tradition" bezeichnet das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) Österreich. Tatsächlich haben in Folge verschiedener Krisen in den Jahren 1956, 1968, 1980 und 1992 sehr viele Flüchtlinge in Österreich Hilfe gesucht. Auf Grund seiner geografischen Lage war Österreich jahrzehntelang ein wichtiges Land für die Erstaufnahme von Flüchtlingen und Auswanderern in Europa.

Über zwei Millionen Flüchtlinge

Insgesamt sind seit 1945 mehr als zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen, fast 700.000 sind laut UNHCR auch geblieben. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich rund 1,4 Millionen Vertriebene im besetzten Österreich.

Die erste große Flüchtlingswelle erreichte das mittlerweile souveräne und neutrale Österreich 1956. In Folge des "Volksaufstandes" in Ungarn suchten 180.000 Menschen Zuflucht im Nachbarland.

Im Jahr 1968 brachten sich 162.000 Tschechen und Slowaken nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei und dem damit verbunden Ende des "Prager Frühlings" in Österreich in Sicherheit. 2.000 von ihnen ließen sich für immer hier nieder, die meisten Flüchtlinge kehrten aber wieder in ihre Heimatländer zurück, einige zogen in andere Länder weiter.

Seit 1972 auch nicht-europäische Flüchtlinge

1972 nahm Österreich laut UNHCR auf Grund international vereinbarter Quoten erstmals nicht-europäische Flüchtlinge auf: 1500 asiatisch-stämmige Ugander, danach Chinesen, Vietnamesen, Kambodschaner und Kurden.

1980/81 setzte die nächste große Fluchtbewegung aus Osteuropa ein. Als in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, kamen 33.000 Flüchtlinge nach Österreich. 90 Prozent reisten in Drittländer weiter.

In der jüngeren Vergangenheit trieben die Kriege am Balkan beim Zerfall Jugoslawiens wieder zehntausende in die Flucht. Um den Jahreswechsel 1991/1992 kamen rund 13.000 aus Kroatien, der Großteil kehrte im Frühjahr 1992 wieder nach Hause zurück. Zu diesem Zeitpunkt trafen die ersten Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina ein. Rund 90.000 wurden hier aufgenommen. Rund 60.000 von ihnen fanden hier eine zweite Heimat - nach Angaben des UNHCR die umfangreichste und aufwändigste Aufnahmeaktion in der Geschichte Österreichs.

Letzte große Flüchtlingswelle 1999

Die bisher letzte größere Flüchtlingswelle setzte im Frühjahr 1999 nach der Eskalation des Kosovo-Konflikt ein. Mehr als 5.000 Kosovo-Albaner kamen damals nach Österreich. Gleich nach dem Ender der Kämpfe im Sommer 1999 begann eine erste Rückkehrbewegung. (APA)

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