Politik der Angeber

22. Juli 2005, 18:24
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"Fehler macht man, aber man gibt sie doch nicht zu" - eine Kolumne von Daniel Glattauer

Die "Politikverdrossenheit" der Bürger wird von Jahr zu Jahr hochprozentiger. Bald werden Meinungsforscher auf härtere Ausdrücke wie "Politikabscheu" oder "Politikerverachtung" umsatteln müssen.

Bezeichnend, wie medial auf Alexander Van der Bellen reagiert wurde, der es sich jüngst gönnte, zerknirscht einen Fehler zuzugeben. (Er hatte "Abfangjäger" und "Studiengebühren" zu wenig scharf abgelehnt.) Sofort wurde die "Krise der Grünen" ausgerufen. Herr Professor, bitte: Fehler macht man (und zwar pausenlos und schwerere), aber man gibt sie doch nicht zu! Wir sind ja hier nicht in der echten Politik. Die spielt sich anderswo ab, spröde, zäh und unzugänglich in den Büros der Tüftler, Textverfasser und Rechner, die kaum wer kennt. Wir sind in der Öffentlichkeit, da geht es einzig um Werbung, um die Vermarktung des Produkts Politik. Aufrichtigkeit hat da nichts zu suchen. Wer ehrlich ist, zeigt Schwäche.

Angeben, protzen, lügen, dass sich die Balken der Wahlplakatständer biegen - das ist der Werbeauftrag. Nur ein paar verträumte Idealisten wünschen sich Politiker mit Selbstironie, die Fehler öffentlich zugeben können. Der Rest wählt abgebrühte Aufschneider und verachtet ihr Geschäft. (DER STANDARD Printausgabe 20. Juni 2005)

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