Anschober: "Der Sascha ist kein Taktierer"

22. Juli 2005, 18:24
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Van der Bellen habe sich nur missverständlich geäußert, glaubt Oberösterreichs Umweltlandesrat im STANDARD-Interview

Van der Bellen habe sich nur missverständlich geäußert, glaubt Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober. An den Kernzielen der Grünen habe sich nichts geändert, sagt Anschober zu Markus Rohrhofer.

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STANDARD: Bundessprecher Alexander Van der Bellen hat jüngst an den grünen Tabus Studiengebühr und Eurofighter gerüttelt. Geben die Grünen Ihre Kernziele auf?

Anschober: Van der Bellen hat sich missverständlich geäußert, es hat eine öffentliche Klarstellung durch ihn selbst gegeben, und damit ist die Sache erledigt. An unseren Kernzielen wie einen barrierefreien Zugang zur Uni oder einem Nein zur Milliardenverschwendung Eurofighter wird sich nichts ändern.

STANDARD: Waren Van der Bellens schwarz-grüne Zukunftsvisionen nicht eher Politkalkül nach dem Motto "Ich teste lieber vorab einmal innerparteilich heikle Themen ab"?

Anschober: Der Sascha ist kein Taktierer, dass war sicher nicht der Hintergrund. Ich finde es lächerlich, dass wir derzeit von der SPÖ hören, Schwarz-Grün ist schon ausgemacht, und von der ÖVP, Schwarz-Rot sei schon ausgemacht. Wir wollen einen inhaltlich bezogenen Wahlkampf führen und verzichten auf Spekulationen.

STANDARD: Mit welchem Ziel?

Anschober: Das Ziel muss heißen, die Grünen so zu stark machen, dass es keine schwarz-blau-grüne Mehrheit mehr geben kann.

STANDARD: Der grüne Bundesvorstand hat sein Nein zum Eurofightervertrag und zu den Studiengebühren erneut bekräftigt, Van der Bellen bleibt trotz Fehlereingeständnis dabei, dass diese keine Koalitionsbedingungen seien. Geschlossenheit sieht doch anders aus.

Anschober: Ich sehe das viel entspannter. Das ist eine völlig verfrühte Debatte. Es gibt auch keinen internen Richtungsstreit. Sollten wir den Regierungsauftrag der Wählerinnen und Wähler bekommen, so muss man in Verhandlungen klären, mit wem sich die zentralen grünen Konzepte am Besten realisieren lassen. Eurofighter und Studiengebühren bleiben wichtige politische Ziele. Kompromisse werden aber notwendig sein.

STANDARD: Sind die Grünen denn bereit für Regierungsbeteiligung?

Anschober: Auf jeden Fall. Wir haben in den letzten Jahren viel dazugelernt und sind intern und inhaltlich bestens vorbereitet.

STANDARD: Was würden Sie als schwarz-grüner Pionier Ihrer Partei für Tipps geben?

Anschober: Einspruch! Das grüne Regierungsmodell in Oberösterreich ist kein Modell für Schwarz-Grün, sondern ein Modell für erfolgreiche grüne Regierungsarbeit. Die Bundesgrünen haben im Übrigen keine Tipps nötig. Wir bereiten uns gemeinsam sehr professionell auf Neuwahlen möglichst noch im Herbst vor.

STANDARD: Die EU-Verfassung ist eingefroren. Was soll Österreich in dieser Situation tun?

Anschober: Für Österreich wird die Verantwortung jetzt noch größer. Die Weichen für die Zukunft Europas werden während der österreichischen EU-Präsidentschaft gestellt. In diese enorme Verantwortung mit einer Regierung der völligen Instabilität und Zerrissenheit in Europafragen zu gehen wäre verantwortungslos. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2005)

Zur Person:

Rudi Anschober (45) ist seit 2003 Umweltlandesrat in einer schwarz-grünen Koalition in Oberösterreich.
  • Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober: "Das grüne Regierungs- 
modell in Oberösterreich ist kein Modell für Schwarz- 
Grün, sondern ein Modell für erfolgreiche grüne Regierungs- 
arbeit."
    foto: standard/rubra

    Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober: "Das grüne Regierungs- modell in Oberösterreich ist kein Modell für Schwarz- Grün, sondern ein Modell für erfolgreiche grüne Regierungs- arbeit."

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