Neuer Reeder am Bodensee unerwünscht

12. Juli 2005, 15:13
8 Postings

Im Bregenzer Rathaus herrscht Einigkeit: Bund, Land und ÖBB werden aufgefordert, die Bodenseeschifffahrt auf keinen Fall zu verkaufen

Bregenz - Die Bregenzer Stadtvertretung richtete am Donnerstagabend einen eindringlichen Appell an Bundesregierung und ÖBB, die Schifffahrt ja nicht zu verkaufen; am Freitag ehrte die ÖBB am Hafen den 25.000.000 Fahrgast. Wie lange die ÖBB noch Gastgeber sein wird, ist allerdings ungewiss. Denn die Zeichen stehen auf Verkauf.

"Nicht mit uns"

"Nicht mit uns", ist sich die Bregenzer Stadtvertretung einig. Bei einer außerordentlichen Sitzung, beantragt von den um die ÖBB-Bediensteten besorgten Sozialdemokraten, wurde einstimmig beschlossen, Bund, ÖBB und Land aufzufordern, "die Bodenseeschifffahrt auf keinen Fall zu verkaufen". Bürgermeister Markus Linhart (VP): "Das ist eine Resolution und keine Petition, wir sind ja schließlich keine Bittsteller." Den Bregenzern geht es in der Diskussion vor allem um die Hafenanlagen, die zur Schifffahrtsgesellschaft gehören. Stadtrat Michael Ritsch: "Wenn ein Privater Molo und Hafenareal kauft, kann er dort tun und lassen, was er will." Spekulationen mit dem wohl lukrativsten Platz der Stadt wollen alle Parteien verhindern.

Interesse an der Schifffahrt zeigt der Tourismusunternehmer Walter Klaus, ein guter Freund von Vize-Kanzler Hubert Gorbach. Klaus gilt im Montafon, wo er marode Liftgesellschaften wieder aufpäppelte, als touristischer Wohltäter. Seine Aktivitäten in Bludenz, dort investierte er in die Muttersbergbahn und eine Event-Bergstation, sind bei Anrainern und Naturschützern umstritten.

Weitere potenzielle Käufer sind die Stadtwerke Konstanz; sie betreiben die deutsche Bodenseeschifffahrt und haben ihren Aktionsradius bereits auf die Schweiz ausgedehnt.

Als Grund für einen eventuellen Verkauf nennen die ÖBB-Vorstände Martin Huber und Stefan Wehinger die Konzentration auf das Kerngeschäft der ÖBB. Die Schifffahrt gehöre nicht dazu, obwohl sie schwarze Zahlen schreibt.

Die Causa Bodenseeschifffahrt hatte in den letzten Wochen ungeahnte innenpolitische Brisanz erlangt, da sich Vize-Kanzler und Infrastrukturminister Gorbach für einen Ankauf durch Walter Klaus ausgesprochen hatte und bekannt wurde, dass Gorbach im nächsten Jahr als Manager in die Firmengruppe von Walter Klaus wechseln möchte. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 18./19.06.2005)

Share if you care.