Wachstum nur im Schneckentempo

12. Juli 2005, 14:08
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Forschungsgesellschaft Synthesis: "Wirtschaft braucht 44 Jahre zur Verdoppelung der Leistungsfähigkeit"

Wien - Die mageren Jahre für Österreichs Wirtschaft sind noch lange nicht vorbei: Nachdem sowohl Exporte als auch Inlandsnachfrage nicht anziehen, revidieren die Experten der österreichischen Forschungsgesellschaft Synthesis die Prognose für das Wirtschaftswachstum jetzt weiter markant nach unten. Im STANDARD-Gespräch sieht Wirtschaftsforscher Wolfgang Alteneder das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für heuer "gerade einmal bei plus 1,7 Prozent". Die OECD hatte in ihrem jüngsten "Economic Outlook" das BIP-Wachstum für Österreich von zuletzt 2,3 auf 1,9 Prozent zurückgenommen. Und es wird nicht besser: Die Fachleute glauben höchstens an +1,9 Prozent für 2006 und "für 2007 im günstigsten Fall an ein zwei Prozent höheres Wachstum."

Alteneder geht deshalb davon aus, dass die Investitionen in neue Anlagen und Verfahren vor dem Hintergrund der gedämpften Nachfrageerwartung zurückhaltend ausfallen werden: "Eine Produktivitätssteigerung von 1,6 Prozent, wie wir sie bis zum Jahr 2007 erwarten können, bedeutet, dass die Wirtschaft 44 Jahre brauchen wird, um ihre Leistungsfähigkeit zu verdoppeln." Nachsatz: Den neuen EU-Mitgliedsländern gelingt dies im Schnitt in weniger als der Hälfte der Zeit - wenn auch von einem weit niedrigeren Niveau aus. Um den heimischen Wettbewerbsvorteil zu sichern, so Alteneder, wäre jedoch "eine Produktivitätssteigerung von über zwei Prozent Voraussetzung."

Falscher Weg

Die Forderungen der Industriellenvereinigung nach längeren Arbeitszeiten hält der Wirtschaftsexperte "für den falschen Weg". Mit Blick auf die Konkurrenzfähigkeit heimischer Betriebe - sowie auf die gut ausgebildeten und weit billigeren Arbeitnehmer in den neuen EU-Staaten - wäre es weitaus wichtiger, den Firmenbei ihrer Innovationstätigkeit und Neupositionierungen unter die Arme zu greifen.

Für den Arbeitsmarkt wird die erwartete Wachstumsschwäche weit reichende Folgen haben. Soll heißen: Eine Entspannung ist nach jüngsten Berechnungen nicht in Sicht. Durch die Anhebung des Frühpensionsalters, zusätzliche ausländische Arbeitskräfte und mehr Frauen wird sich das Arbeitskräfteangebot heuer um 33.500 und 2006 um 32.500 Menschen markant ausweiten. Weil die Zahl neuer Jobs hier nicht mithalten kann, werde "die Arbeitslosigkeit bis 2007 jährlich um 9300 zunehmen," rechnet Alteneder vor. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.6.2005)

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