Der rote Bulle wird am A1-Ring schon an die Kandare genommen

12. Juli 2005, 15:16
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Erste Umweltbedenken gegen das "Spielberg neu"-Projekt - Durch die Stationierung von 18 Eurofightern könnten Lärmgrenzen überschritten werden

Graz/Spielberg – Diesmal soll alles ganz anders werden. Gleich 15 Sachverständige sollen bereitstehen, um die Genehmigungsverfahren für das Projekt "Spielberg neu" durchzuziehen, um Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz ein "schlüsselfertiges Projekt" zu übergeben. Es sind um einige mehr als zuletzt, als sich gerade einmal ein Beamter plus ein Jurist in Ausbildung durch das alte 700-Mio.-Euro-Projekt plagen mussten.

Diesmal, versprach Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, werde alles "professionell vorbereitet". Doch kaum hat Mateschitz seine Bereitschaft bekundet, die Rennstrecke, die im Zuge der Vorbereitungen für das "Jahrhundertprojekt" teilweise abgerissen worden war, wieder aufzubauen, regen sich schon erste Zweifel an der Realisierbarkeit dieser neuen "Light-Variante", in die Mateschitz und Partner wie Audi oder KTM bis zu 150 Mio. Euro für Test- und Rennstrecken investieren wollen.

Probleme bei regelmäßigem Rennbetrieb

Auch Rennen sollen wieder organisiert werden, was Bürgerinitiativen-Sprecher Karl Arbesser gleich vorweg als "nach wie vor kaum machbar" beurteilt. Arbesser zum STANDARD: "Wenn, wie jetzt angekündigt, Test- und Prüfstrecken errichtet werden, sehe ich da wenig Probleme. Wenn das Land vernünftige Lösungen, die mit der Umwelt in Einklang sind, vorlegt, ist das okay. Probleme sehe ich nach wie vor für einen regelmäßigen Rennbetrieb. Die Frage ist, kann man eine Rennstrecke in ein besiedeltes Gebiet setzen. Ich denke nicht."

Positiv bewertet Arbesser, dass die Landesregierung nun erstmals bereit sei, mit den Anrainern, die das alte Projekt erfolgreich beeinsprucht hatten, zu verhandeln. Was Arbesser noch "nachdenklich stimmt" sei die Ungewissheit, die hinter dem neuen Projekt noch stecke. Denn allein für eine Teststrecke seien keine 150 Mio. Euro notwendig, also müsse noch mehr dranhängen. Arbesser: "Wir werden uns das genau anschauen."

18 Eurofighter werden in Zeltweg stationiert

Das hat auch die steirische Umweltanwältin Ute Pöllinger vor, die bereits Bedenken wegen der Stationierung der Eurofighter äußert. Im nahen Zeltweg sollen nach Plänen des Verteidigungsministeriums sämtliche 18 Eurofighter stationiert werden, die Flugfrequenz dürfte sich nahezu verdoppeln. Was für die Umweltprüfung des Motorsportprojektes nicht gerade förderlich sei, sagt Pöllinger. Es könnten die zulässigen Höchstgrenzen überschritten werden. Pöllinger zum STANDARD: "Es ist logisch, dass sich die Stationierung auswirken wird. Wie, das wird von den Lärmtechnikern zu prüfen sein." Dass sie wegen ihrer kritischen Anmerkungen Probleme bekommen könnte, glaubt Pöllinger nicht: "Ich bin weisungsungebunden."

Grünen-Politiker Werner Kogler und SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter verlangten jedenfalls umgehend und abermals den sofortigen Ausstieg aus dem Eurofighter-Projekt. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.6.2005)

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