Studienfach Banane

14. Juli 2005, 14:20
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Eine Lösung auf EU-Ebene sollte machbar sein, es ging doch auch bei der Euro-Banane und der Gurken­krümmung - Von Lisa Nimmervoll

Auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum österreichischen Hochschulzugang wartet Österreich so gespannt wie tausende Deutsche. Die hiesigen Unis fürchten - zu Recht, wie erste Warteschlangen potenzieller Uni-Migranten zeigen - einen Ansturm deutscher Studierwilliger, die in ihrer Heimat wegen zu schlechter Maturanoten keinen Studienplatz ergattern konnten. Viele Deutsche wiederum sehen indem für 7. Juli angekündigten Spruch der Luxemburger Richter die große und vielleicht letzte Chance, ihren Studienwunsch doch realisieren zu können - im Nachbarland, ohne Sprachprobleme, gegen vergleichsweise niedrige Studiengebühren.

Beide Positionen sind verständlich, aber unvereinbar. Sollte nur ein Bruchteil der jährlich über 60.000 abgewiesenen deutschen Abiturienten nach Österreich kommen, würde das System kollabieren. Die hiesigen Unis sind schon jetzt massiv unterfinanziert und können den derzeitigen Studentenstrom kaum bewältigen. Dafür muss die Regierung auch alleine gerade stehen. Für deutsche Numerus-Clausus-Opfer aber sicher nicht.

Das vermeintliche Uni-Problem, das Österreich mit der EU gerade ausfechten muss, ist nämlich ein europäisches. Es ist einem kleinen Land wie Österreich schlicht nicht zumutbar, dass es die Ausbildungskosten für deutsche Studierende trägt. Wenn der deutsche Staat sie querfinanzieren will, bitte. Aber warum sollte Österreich zur Abwehr deutscher Studenten die Bedingungen für österreichische verschlechtern? Unterm Strich würden beide Seiten verlieren.

Es muss eine Lösung auf EU-Ebene her. Das sollte machbar sein. Es ging doch auch bei so diffizilen Problemen wie der Euro-Banane oder der richtigen Gurkenkrümmung. Ausgerechnet der sensible Bildungsbereich sollte da nicht den Gesetzen des Dschungels überlassen werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2005)

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    Ein Kunstwerk des brasilianischen Künstlers Tonico Lemos Auad.

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