Wasserwege aus der Transitwelle

17. September 2007, 12:22
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Binnenschifffahrt als Alternative für den freien Warenverkehr in der erweiterten EU

Bratislava/Prag/Wien – „Die Donauschifffahrt ist umweltfreundlicher“, ist Otto Schwetz, Leiter der TINA Vienna (Transport Infrastructure Needs Assessment) überzeugt: Verglichen mit Lkw brauchen Schiffe 16mal weniger Energie. Es gehe aber nicht darum, das Schiff gegen den Lkw auszuspielen, wie das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) klarstellt. Ziel sei es, die Straße zu entlasten. Dabei stoße die Bahn bereits an Kapazitätsgrenzen.

Die Donau als Wasserweg sei hingegen nur zu sieben Prozent ausgelastet und ab Kelheim über 2415 Kilometer bis in das Schwarze Meer ein geeigneter Transportweg. Der Main-Donau-Kanal bei Regensburg verlängert die Wasserstraße bis an die Nordsee. Abgesehen von Kanal-Einschnitten hat das Binnenschiff viele Vorteile: Geringer Treibstoffbedarf, weniger CO2-Ausstoß, niedrigere Kosten – und es kann um die 1300 Tonnen laden. Das schaffen auf der Straße nur 325 Lkw à 40 Tonnen (siehe Grafiken).

Das BMVIT sieht bei der Verkehrszunahme durch die EU-Osterweiterung (119 Prozent mehr LKW zwischen 1994 bis 2002) die Donau als Lösung. „Der rechtzeitige Ausbau alternativer Verkehrswege ist unverzichtbar“, sagt Verkehrs- Staatssekretär Helmut Kukacka (ÖVP) und verspricht für die österreichische EUPräsidentschaft 2006 starke Akzente für eine ökologisch verträgliche Donauschifffahrt.

Ein „Nationaler Aktionsplan“ und EU-Förderungen für Transeuropäische Netze (TEN), welche bis zu 50 Prozent der Ausbaukosten tragen, sollen die Donaukapazität steigern. Am „Flussbaulichen Gesamtkonzept“ der Engstelle Wien-Bratislava werkten auch NGOs und der Nationalpark Donauauen mit. Dieser brauche, laut Nationalpark-Direktor Carl Manzano, eine stabilisierte Wassertiefe um nicht auszutrocknen. Schuld daran ist die von der Staustufe Freudenau erhöhte Fließgeschwindigkeit, welche jährlich zwei bis drei Zentimeter Sediment wegspült.

Dieses Donau-Manko müsse behoben werden, so Gunter Stocker vom Planungsbüro Snizek, um für eine konstante Wassertiefe von 2,7 Meter zu sorgen. Dafür wird Schotter zugeführt, um den Spiegel auszugleichen. Die Entschärfung aller europäischen Donau- Engstellen würde insgesamt 1,2 Milliarden Euro kosten. Gefahrenguttransporte sollen in Zukunft nur mehr mit Doppelwandschiffen bewilligt werden, so TINA-Leiter Schwetz.

Viel Strom vom Strom

Die Donau kann ohne Passagegebühr befahren werden – lediglich Hafengebühren sind zu zahlen. „Häfen und Donau sind bereit, es fehlt nur die Nachfrage“, analysiert Stocker. Das Marketing müsse verbessert werden, und auch, „dass es keine Liniendienste gibt“, sei „nachteilig“.

Nebst dem Wasserweg speist das Donauwasser den Stromdurst der Anrainerstaaten. Immerhin 25 Prozent des Österreichischen Energiebedarfs wird durch sie gestillt. Die Slowakei betreibt neben dem 2,5 Terrawattstunden (TWh) im Jahr liefernden Kraftwerk Gabcíkovo – einst geplant gemeinsam mit Ungarn –, auch das Laufkaftwerk Cunovo mit 175 GWh pro Jahr. Gemeinsam mit Ungarn beobachtet das Slowakische Umweltministerium die ökologischen Auswirkungen über zehn Jahre, so Sprecherin Dana Gregorova. Zum Vergleich: Die Anlage Freudenau liefert etwas über eine TWh pro Jahr in heimische Netze. Weitere Kraftwerksbauten sind zur Freude der Schifffahrt nicht geplant. (DER STANDARD, 21. Juni 2005)

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