Hohe Quellen, tiefe Brunnen und aufbereitende Anlagen

17. September 2007, 12:22
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Investitionen und Kooperationen heben die Trinkwasserqualität in Zentraleuropa. Nicht überall können die Menschen, wie in Wien, mit frischem Hochquellenwasser versorgt werden. Die Schaffung von sauberem Grundwasser hat daher auch auf EU-Ebene höchste Priorität.

Brno/Bratislava/Budapest/Prag/Wien – „99,9% der Tage ist das Wiener Trinkwasser von hervorragender Qualität“, ist Dieter Wolfgang Rossboth, Leiter des Wiener Instituts für Umweltmedizin, überzeugt: „Selbst beim geringsten Verdacht wird in großem Stil ausgeleitet.“ Über 60 Umweltmediziner und über 400 Mitarbeiter in der MA 31 (Wiener Wasserwerke) sorgen für das Wasserwohl in Österreichs Hauptstadt.

Für die Hochquellwasserverwöhnten Wiener ist der EU-Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser – er liegt in der EU bei 50 Milligramm pro Liter – kein Thema. „Es gibt wenige in so einer reichen Situation wie wir“, freut sich Rossboth. Andernorts, etwa in Budapest oder am Rhein, muss Flusswasser (Uferfiltratwasser) aufbereitet werden.

In der Slowakei sind laut Umweltministerium 84,3 Prozent der Einwohner an öffentliche Wassernetze angeschlossen. Grundwasser erhalten 83,1 Prozent, der Rest bekommt Oberflächenwasser und Aufbereitetes aus Flüssen. Diese laufen, laut Rossboth, Gefahr, „dass sie jeden Moment Einflüssen ausgesetzt sein können, welche sie ungenießbar machen können“.

In internationalen Gremien, wie der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Donaueinzugsgebiet (IAWD) wird über Grenzen hinweg an Problemlösungen gefeilt. „Eine der teuersten Aufgaben des slowakischen Umweltministeriums ist die Errichtung neuer Abwasseraufbereitungsanlagen“, erklärt Dana Gregorova. Dies werde durch EU-Mittel unterstützt.

„In Ungarn gibt es keine Region, wo das Trinkwasser verschmutzt ist, es ist überall trinkbar“, sagt Nóra Csiffáry vom Wasserministerium. Über 90 Prozent des Leitungswassers ist Grundwasser, der Rest Oberflächenwasser. Die Wasserqualität entspreche aktuellen Standards und „bis 2009 werde man die EU-Auflagen erfüllen“. Momentan läuft gerade ein Programm zur Arseneliminierung.

Durch die Überdüngung zu Zeiten der zentralisierten Landwirtschaft war die Nitratbelastung in Tschechien ziemlich schlimm. Viele Gewässer überschritten damals den Grenzwert von 50 Milligramm weit. Mittlerweile liegen die Werte im schlimmsten Fall zwischen 30 und 40 Milligramm. „Wir werden weiterhin den Zustand der Oberflächenwasserreservoirs verbessern, schließlich versorgen die den Großteil der Einwohner mit Trinkwasser“, sagt Umweltminister Libor Ambrozek. Diese Oberflächenreservoirs bergen allerdings, laut Umweltexperten, ein weiteres Risiko: die Eutrophisation (Nährstoffüberfluss), die zu vermehrter Algenbildung und zum Wachstum toxischer Bakterien führen kann. Geschehen ist das beim Brünner Damm (Brnenska prehrada), welcher bis 1995 Trinkwasser lieferte.

Ein grenzüberschreitendes Problem ist das Blei in alten Leitungssystemen – sei es im Wiener Stadtkern oder im Zentrum von Brno. „Die Stadt Wien als Wasserversorger investiert sehr viel Geld, um die verbliebenen Bleileitungen auszutauschen“, so Rossboth. Man werde mit dem Leitungsaustausch weit vor 2013, wie es die EU fordert, fertig sein. Zudem gebe es „in Wien keinen Fall einer medizinisch dokumentierten Bleivergiftung durch Trinkwasser“. Ein Tipp des Experten: Wer das Wasser ein bis drei Minuten abrinnen lasse, habe etwaige bleihaltige Stagnationswasser damit mit Sicherheit entfernt. (DER STANDARD, 21. Juni 2005)

Jan Marot
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    Nicht aus jeder Leitung kommt erstklassiges Wasser – doch in der Region Centrope wird hart daran gearbeitet.

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