Verkehrsbüro: Börsegang ab 2007 denkbar

12. Juli 2005, 13:25
posten

Toth: "Sind toller Börsekandidat" - Griechenland, Spanien und Italien beliebteste Reiseziele - Heuer 140.000 Passagiere bei Hofer-Reisen geplant - Mit Infografik

Kitzbühel - Der größte österreichische Tourismuskonzern, das Österreichische Verkehrsbüro, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 nach einem relativ schwachen Jahr 2003 einen Umsatz- und Ergebnisrekord erzielt. Heuer will der Konzern in allen drei Bereichen Touristik, Hotellerie und Gastronomie neuerlich deutlich wachsen, kündigte Generaldirektor Dieter Toth bei der Bilanzpressekonferenz in Kitzbühel an. Ab Mitte 2007 ist zudem ein Börsegang denkbar.

"Sind durchaus ein toller Börsekandidat"

"Das Verkehrsbüro ist durchaus ein toller Börsekandidat", bemerkte Toth. Der Vorstand stehe einem Initial Public Offering (IPO) nicht ablehnend gegenüber, man stehe aber erst am Anfang derartiger Überlegungen: "Wenn wir das tun, wird es perfekt gemacht." Das Geld brauche man für die Expansion aber nicht. "Der Börsegang ist ein Thema für uns, der Vorstand beschäftigt sich damit", bekräftigte auch Finanzvorstand Harald Nograsek. Man sei derzeit dabei, Maßnahmen für die Börsefähigkeit zu setzen, dieser Prozess werde zwei bis drei Jahre dauern. Letztendlich liege die Entscheidung über einen IPO allerdings bei den Eigentümern. Das Verkehrsbüro gehört zu knapp mehr als 60 Prozent der Bank Austria-nahen AVZ-Stiftung, 31 Prozent hält die Wiener Städtische Versicherung, der Rest befindet sich in Besitz der Stiftung von Verkehrsbüro-Chef Toth.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Konzern das beste Ergebnis in der Geschichte des seit 1917 bestehenden Unternehmens erzielt, berichtete Toth. Der Konzernumsatz stieg um 4,9 Prozent auf 581 Millionen Euro, das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) wuchs um 68,1 Prozent auf 19 Mio. Euro. 12 Mio. Euro davon werden als Dividende an die Eigentümer ausgeschüttet: "Es ist wichtig, dass wir uns Geld für die geplante Expansion auf die Seite legen können", bemerkte Toth dazu. Die Eigenkapitalquote betrug im Vorjahr 35 Prozent.

Umsatz leicht gestiegen

Im größten Geschäftsbereich - der Touristiksparte - erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 401,3 Mio. Euro. Die 112 Verkehrsbüro-Reisebüros und 7 Geschäftsreise-Center steigerten den Umsatz um 1 Prozent auf 288,8 Mio. Euro, das EGT erhöhte sich um 54 Prozent auf 3,7 Mio. Euro. In Zeiten wie diesen sei ein einprozentiges Umsatzplus durchaus ein Erfolg, meinte Toth.

Heuer sei ein mindestens 5-prozentiges Umsatzplus und ein massives Ergebnisplus geplant, zumindest ab Mai zeichne sich insgesamt ein besseres Reisejahr ab als es das Vorjahr war, so Toth. Die beliebtesten Reiseziele der österreichischen Pauschalurlauber sind heuer (Stand Ende Mai) Griechenland (plus 17 Prozent), Spanien (minus 4,7 Prozent), Italien (plus 1,9 Prozent) und die Türkei (plus 10,3 Prozent). Die USA sind mit einem Wachstum von 30 Prozent das beliebteste Fernreiseziel.

Positiv auf Umsatz und Ergebnis wird sich heuer auch die per Jahresanfang vollzogene Konsolidierung der im Vorjahr erworbenen Ruefa Reisen auswirken, die im Geschäftsjahr 2003/2004 (per Ende Oktober) mit 120 Filialen und 420 Mitarbeitern einen Umsatz von 182,4 Mio. Euro (plus 6,4 Prozent) und ein Ergebnis von 0,9 Mio. Euro (plus 80 Prozent) erzielte. Zwei bis drei Prozent des Touristikumsatzes werden in Osteuropa erzielt, in den nächsten fünf Jahren soll dieser Anteil auf 10 Prozent steigen, sagte Nograsek. Dort wolle das Verkehrsbüro vor allem in den Direktvertrieb "und nicht so sehr in den Filialbereich" gehen.

Eurotours-Kooperation mit Hofer erfolgreich

Die in Kitzbühel sitzende Verkehrsbüro-Tochter Eurotours, die heuer 25-jähriges Firmenjubiläum feiert, steigerte den Umsatz um 28 Prozent auf 113 Mio. Euro, das EGT erhöhte sich um 25 Prozent auf 5 Mio. Euro. Äußerst erfolgreich läuft die Eurotours-Kooperation mit der Diskontlebensmittelkette Hofer, die Zahl der Passagiere soll sich hier heuer von 73.000 auf 140.000 verdoppeln, berichtete Toth. 70 Prozent der Hofer-Kunden, die hier eine Reise kaufen, seien vorher noch nie in einem Reisebüro gewesen, hier werde ein komplett neuer Markt erschlossen.

Im Reisebürobereich befindet sich das Verkehrsbüro derzeit in einem Umstrukturierungsprozess, unter anderem im Zuge der Ruefa-Integration. Derzeit wird mit Hilfe des deutschen Unternehmensberaters Kienbaum eine Stärken- und Schwächsenanalyse durchgeführt. Der Umstrukturierungsprozess soll bis August abgeschlossen sein. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.