Jugendanwalt fordert mehr Personal

24. Oktober 2006, 13:59
1 Posting

Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Rauch: "Moderne Jugend­wohlfahrt ist mit den derzeitigen Kapazitäten unmöglich"

Bregenz - Der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch hat am Freitag eine Aufstockung des Personalstandes bei den Vorarlberger Jugendämtern gefordert. "Die Jugendämter sind an der Kapazitätsgrenze angelangt", stellte Rauch bei der Präsentation des Tätigkeitsberichts 2004 fest. Als zunehmende Herausforderung für den Jugendschutz nannte Rauch das Internet.

Budgetnot bei Jugendwohlfahrt

Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Kapazitäten sei es unmöglich, eine moderne Jugendwohlfahrt zu leisten, betonte Rauch. Seinen Vorstellungen nach müsste den Vorarlberger Jugendämtern mindestens jeweils eine zusätzliche Kraft zur Verfügung gestellt werden. Der Kinder- und Jugendanwalt wies in diesem Zusammenhang speziell darauf hin, dass im Bereich der Verfügungen über Pflege und Erziehung sowie Besuchsrecht neue Aufgaben auf die Jugendwohlfahrt zukommen. "Ich hoffe, mein Befund trifft auf offene Ohren", sagte Rauch.

Herausforderung Internet

Dass das Internet zu einer immer größeren Herausforderung für den Jugendschutz werde, versuchte Rauch anhand einer Studie des Instituts für Jugendkulturforschung aufzuzeigen, das 800 Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren befragt hat. Demnach hätten 60 Prozent der Jugendlichen bereits Seiten mit pornografischen Inhalten besucht, jeder Zweite Glücksspielseiten und 20 Prozent der Heranwachsenden Webseiten, die illegale Drogen zum Inhalt haben.

"Elf Prozent der Jugendlichen waren bereits in Selbstmord-Foren unterwegs", warnte Rauch. Patentlösung, wie das Internet sicherer zu machen sei, habe er keine auf Lager, bekannte Rauch. Wichtig sei aber, das Problem in die Öffentlichkeit zu rücken.

Gewalt in Schule und Familie

In der Bilanz über das vergangene Jahr nannte Rauch die Schwerpunktthemen Kinderschutz, Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Scheidung/Trennung. 278 Personen haben den Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt im vergangenen Jahr aufgesucht, etwa gleich viele wie im Jahr davor. Rauch betonte, dass Kinder verschiedensten Formen von Gewalt ausgesetzt seien. Während die Bevölkerung hinsichtlich sexueller Gewalt in den letzten Jahren sensibilisiert worden sei, fehle es oft am Bewusstsein, dass viele Kinder körperliche und vor allem psychische Gewalt erleiden müssten.

Auch der "Arbeitsplatz" Schule werde für eine immer größere Anzahl von Kindern und Jugendlichen zur Belastung. "Die Schule muss kinderverträglicher werden", forderte Rauch. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Die Jugendämter sind an der Kapazitätsgrenze angelangt"

Share if you care.